Von MARTINA WINDRATH, 12.10.07, 20:16h, aktualisiert 12.10.07, 21:27h
Jeder notiert den Stundenplan-Vorschlag fürs erste Semester. „Kann ich Maluspunkte nicht abbauen?“, fragt einer verschreckt, als er erfährt, dass ein Mangelhaft bei „Pflichtmodulen“ sich dauerhaft auf dem Konto niederschlägt, bis zu 60 Miesen. Aufatmen bei der Antwort: „Sie können die Prüfungen mehrfach wiederholen.“
Diplom-Ära an Hochschulen läuft aus
Credit Points für Anfänger. LP (Leistungspunkte), MP (Maluspunkte).... Das kleine Hochschul-ABC wurde neu geschrieben. Denn das Schicksal des „D“ wie „Diplom“ ist besiegelt - zum jetzigen Wintersemester werden die meisten Studiengänge auf Bachelorabschluss (und Master) umgestellt. Diplom und Magister laufen aus. Der Informationsbedarf ist wegen der tief greifenden Reform an den Hochschulen groß. Seit Wochen laufen Beratungen auch der Mitarbeiter, das Info-Material ist aufwändig, Homepages wurden neu gestaltet.
„Vielleicht ist es am Anfang ein bisschen schwierig, sich das vorzustellen“, zeigt Diplom-Volkswirt Zander Verständnis für die vielen Fragen. Durchblick in der neuen Campus-Welt verschaffen Studentenwerk, Fachschaften und ASten, Dekanate und obligatorische Angebote der Studienberatungsstellen. Neu dabei: Von Studiengebühren wurde im April das Wiso-Studienberatungszentrum (1,5 Stellen) an der Uni eingerichtet. „Wir möchten übergreifend Prozesse begleiten und den Studenten, egal aus welchem Semester, konkrete Antworten geben. Das stimmen wir mit den Fachleuten gezielt ab“, so Zander, leitender Mitarbeiter des Zentrums.
Das kleine Einmaleins der (umstrittenen) Reform will gelernt sein: Leistungen werden nämlich nach dem European Credit Transfer System (ECTS) länderübergreifend einheitlich in Credit Points gemessen, um die Vergleichbarkeit zu gewährleisten. „Eine stille Revolution“, sagt Zander. „Die Konsequenzen bleiben abzuwarten.“ Der bewährten Marke Diplom trauern jedenfalls einige hinterher: „Wie mein Abschluss später beurteilt wird, weiß ich nicht“, sieht Erstsemester Alexander Neu (20) inhaltliche Fragezeichen.
Zufrieden ist Marie Müller, die ein Geschichtsstudium beginnt. Schwer fällt ihr jedoch die Stundenplanaufstellung. Hilfe leisten unter anderem Teams an der Philosophischen Fakultät. Sie weisen mit ihrem „Uni-Kompass“ Neulingen den Weg in Seminarräume, zu Campusführungen und anderen Adressen. „Das Dekanat hat die Beratungen erheblich verstärkt“, so Thomas Johnen. Die Orientierungshilfe sei immer früher gefragt. „Auch seit die Studiengebühren eingeführt wurden, haken die Leute mehr im Vorfeld nach. Sie wollen keine Zeit verlieren. Aber sie sind etwas panischer als sonst“, hat der Student festgestellt. „Der Druck ist größer.“ Wie sich die Reform auswirken wird, sei schwer einzuschätzen: „Das Studium wird strenger reguliert. Das kann Vor- und Nachteile haben.“
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