Von DIETMAR FRATZ, 29.10.07, 07:15h
Kirchenorgel
und Synthesizer
Stephen Harrap, Kirchenmusiker an der Stiftskirche, und sein Erftstädter Kollege Donatus Haus hatten alle Werke der Soirée unter Einbeziehung ebenso gotischer Elemente wie moderner Tonsprache mit Synthesizer und Live-Elektronik komponiert beziehungsweise bearbeitet. Gleich zu Beginn maß sich die mächtige 45-Register-Orgel mit dem gotisierenden Prospekt mit dem Synthesizer mit seinen völlig ungotischen Lautsprecherboxen in quadrophoner Anordnung. Vor allem die ostinaten, also wiederkehrenden Figuren waren es, die den zeitlichen Quantensprung mit unruhiger Zeitlosigkeit unterstrichen, aber damit dem Publikum auch Halt verschafften.
Saxophonist Georg Reis reicherte die Mehrdimensionalität noch an, indem er aus verschiedenen Ecken der Kirche spielte. Auch die in Chor- und Hauptwerke geteilte Orgel hinterließ in der akustisch interessanten Kirche einen Hauch von fallenden Dimensionen. Vom rotierenden Neutronenstern berichtete dann auch ein Werk, bei dem nun Haus bei seiner Komposition an der Orgel saß und mit dem hellwachen Saxophonisten ins musikalische Gespräch kam. Ein seltener Anblick war auch die über zwei Meter breite Notenausgabe für die offenbar langen Erinnerungen von Haus, an der Reis musizierend entlanggehen musste. Altistin Mechthild Kerscher sang in bewegt-beweglicher Klarheit Geistliches und Weltliches, überkrönt von Harraps Ode an Maria. Neben der immer wieder mit Motiven herausstechenden Orgel führte der Dialog mit dem weich und warm intonierten Waldhorn (Kersti Seyb) das mehrsprachige Werk zu Herzen. Das stilistische Treffen wurde hier weiter nachgewürzt durch Live-Elektronik. In mehrtägiger Tüftelarbeit hat Harrap mit J.-M. Sullon von der Musikhochschule Lüttich die Algorhythmen erarbeitet, nach denen die Musik verarbeitet wird. Live nehmen Mikros die Musik auf, diese wird durch eine Umrechnungsformel geschickt und ohne Zeitverlust über Lautsprecher wieder ausgegeben. Beliebtes Ergebnis an diesem Abend waren eiskristallenes Oberton-Rankwerk und nachklappende Kaskaden, die der wallonische Musiker und Wissenschaftler Sullon am Mischpult live erschuf. Ein gedanklich wie musikalisch beeindruckender Vorgang, ebenso wie das ambitionierte Gesamtkonzept. Das experimentelle und dennoch immer wieder konventionelle Konzert hätte überregionale Beachtung mehr als verdient gehabt. Wie für solchen Veranstaltungstypus üblich, blieb es bei den rund 50 Zuhörern; die allerdings waren angerührt und begeistert.
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