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Quellensuche mit dem siebten Sinn

Von KLAUS MÜLLER-WOLF, 13.11.07, 07:10h

Wenn's ums Aufspüren von Wasseradern geht, ist Bernd Textor ein gefragter Mann. Der 52-Jährige aus Burbach ist Wünschelrutengänger. „Das hat nichts mit Hokuspokus zu...

MUCH. Wenns ums Aufspüren von Wasseradern geht, ist Bernd Textor ein gefragter Mann. Der 52-Jährige aus Burbach ist Wünschelrutengänger. „Das hat nichts mit Hokuspokus zu tun“, sagt der gelernte Elektrotechniker, „sondern ist vielmehr eine Frage der Sensibilität“. Selbst in großen Tiefen nehme er Wasser mit seinem vegetativen Nervensystem wahr, die Wünschelrute in seiner Hand brauche er dafür nicht, sie sei nur äußeres Zeichen seines inneren Gefühls, berichtet er seinen skeptischen Zuhörern. Die Rute schlage nicht von selbst aus, sondern weil er dies manipuliere.

Seit 27 Jahren hat Textor seine besonderen Fähigkeiten, die er im Alter von zehn Jahren entdeckte, mit dem Brunnenbau kombiniert und erschließt für seine Kunden sogar im benachbarten Ausland unterirdische Wasserquellen. Allein in Much, Ruppichteroth und der Umgebung hat nach eigenen Angaben in den vergangenen Jahren 50 bis 60 Brunnen geortet und gegraben, unter anderem für den Golfplatz an der Burg Overbach. Textor gewährt Garantien, sowohl auf seine Prognosen, die zu 95 Prozent einträfen, als auch auf die Wassermengen. Und bohrt im Falle seines Irrtums auf eigene Kosten einen zweiten Brunnenschacht. Und so eilt ihm dank Mund-zu-Mund-Propaganda sein positiver Ruf voraus.

Mit einem gebogenen Metallstäbchen in der rechten Hand stapft der 52-Jährige an diesem Tag durch das Waldfreibad in Much. Die Bürgerstiftung, die seit dem Frühjahr die Regie in dem kleinen Schwimmbad übernommen hat, möchte mit einem eigenen Tiefbrunnen die enormen Wasser- und Abwasserkosten um bis zu 15 000 Euro jährlich senken. Ideal wäre, wenn Textor gleich neben dem Technikgebäude auf Wasser stoßen würde. Und tatsächlich wird der Rutengänger vor den Augen der Stiftungsvorstände Hartmut Erwin und Hans-Joachim Hachenberger in nur wenigen Minuten fündig. Mehrmals dreht sich die Rute wie von Geisterhand zur Seite. Nicht nur das. Textor bestimmt auch die Tiefe der drei Wasseradern, die er in 20, 40 und 79 Metern gespürt haben will, und beziffert die Menge, die daraus täglich gefördert werden kann. Sie würde ausreichen, um die beiden rund 800 Kubikmeter fassenden Schwimmbecken in zehn Tagen komplett zu befüllen und den Wasserstand täglich auszugleichen, ohne dass der Brunnen wieder versiegt. Ob das Wasser allerdings Eisen enthält und damit vor dem Gebrauch enteisent werden muss, vermag Textor nicht zu sagen.

Eine erfreuliche Nachricht dennoch für die Bürgerstiftung, die sich jetzt um die erforderlichen Genehmigungen kümmern wird, damit Textor bald loslegen kann. Die Finanzierung ist schon gesichert: Die Kreissparkasse Köln hat für das Projekt Tiefbrunnen der Stiftung 10 000 Euro zur Verfügung gestellt, wie Erwin berichtet. Dann spätestens wird sich herausstellen, ob Rutengänger Bernd Textor wieder einmal mit seiner Wünschelruten-Prognose richtig lag.



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