Von H.D. TERSCHÜREN, 05.12.07, 19:38h
Fortan begleiteten seinen Bühnenweg Schlagzeilen wie „Musicalkomponist mit Weltformat“. Das erklärt auch, weshalb er jetzt an der Bonner Oper einen „Ring des Nibelungen“ uraufführt. Seinen eigenen „Ring “, aber auf der Folie von Richard Wagners 16-Stunden-Epos. „Mich interessiert der Mythos, der zeitlose Stoff.“ Irritiert hatte ihn die Erfahrung, dass die jungen Leute (er selbst ist 38) den Zugang dazu durch Wagners Sprache und komplexe Musik verstellt finden. Also erzählt er selbst.
„Meine Musiker, alle hervorragend ausgebildet, hatten keine Ahnung von Wagner“, klagt er beim Gespräch zwischen Proben und trällert - dadadada - Motive aus „Siegfried“. Er hat es da auch leichter gehabt. Immerhin hat sein Vater 1990 beim nur halb vollendeten Bonner „Ring“ von Jean-Claude Riber den Wotan gesungen. Kein Geringerer als Siegmund Nimsgern, Wotan in Bayreuth und Florestan an New Yorks „Met“ in den 80ern. Schwerer hat es der Sohn eher mit der Musik der jungen Leute gehabt. „Davor wurde ich abgeschirmt.“
Aber dann, mit dem Vater in New York, „bin ich über das Musical ,Tommy gestolpert und habe eine gebrauchte Gitarre erstanden. Mein Vater sorgte, als er mich zirpen hörte, für professionellen Unterricht.“ Als namhafter Jazz-Gitarrist war er dann 15 Jahre unterwegs, auch in aller Welt mit dem Goethe-Institut. Und nun macht er den kürzesten Bonner „Ring“ seit Riber, Manfred Beilharz und Johann Kresniks Tanztheater .
„Wir wollen auf nicht mehr als zweieinhalb Stunden kommen - Wagner turbo“, scherzt er. Eigentlich sollte es ja ein Beethoven-Musical werden, jedenfalls nach den Vorstellungen von Auftraggeber Intendant Klaus Weise, der sich in München für „Poe“ begeisterte, Nimsgerns Musical „über den Stephen King des 19. Jahrhunderts“. Mit dem Rhein vor der Tür hat er Weise umgestimmt. Dass sein Vater den Wotan bei ihm nicht singen würde oder könnte, macht ihm nichts.
Ihn sieht er als einen ganz Großen - „wir werden ihn festbinden müssen“, witzelt er. Er sei auch oft in „Poe“ gegangen. „Er hat Respekt vor meiner Arbeit, seit er sah, dass es dabei stets sehr professionell zugeht mit Orchesterpartitur und allem Drum und Dran.“ Das Libretto schrieb Daniel Call. Alles andere kommt von Nimsgern in Koproduktion mit dem Theater.
Zwölf Leitmotive hat er in seiner Musik untergebracht, „wer sucht, findet auch was von Wagner“. Das allerdings äußerst reduziert auf Wotan, Brünnhilde, Alberich. Siegfried. Es ist keine Geschichte über Generationen, sondern eine hier und jetzt, auch mit arabischer Musik und Arabern und Europäern.
Auf die Frage „ganz aktuell?“ meint er, das müsse jeder für sich entscheiden. Ins Zentrum stellt er Alberich als Vater Siegfrieds und die erotische Vater-Tochter-Beziehung zwischen Wotan und Lieblingstochter Brünnhilde. Siegfrieds Techtelmechtel mit der Walküre ist ihm zu unglaubwürdig. Als Held könnte der gut aussehende Nimsgern auch durchgehen, aber als sein eigener Siegfried würde er sich kaum gefallen. Die Livemusik leitet er vom Klavier aus.
Anders als bei Wagner gibt es da viel Schlagzeug und Rock- und Funk-Sound, für Nibelheim auch Heavy Metal. Der Titel „Der Ring - Das Musical“ gefällt Nimsgern nicht besonders. „Ich schreibe Rockopern.“ Sein „Ring“ kommt am 16. Dezember, 18 Uhr, auf die Bonner Opernbühne.
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22. April 2012,
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