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Gelbe CJD-Krawatte passt zum gelben Pullunder

Von MADELEINE MAJUNKE, 11.12.07, 07:18h

Eine Schwäche für Gummibärchen hat Hans-Dietrich Genscher. Das hatte Astrid Karres, Lehrerin an der Jugenddorf-Christophorus-Schule, erfahren. Und so gab es als Dankeschön für...

KÖNIGSWINTER. Eine Schwäche für Gummibärchen hat Hans-Dietrich Genscher. Das hatte Astrid Karres, Lehrerin an der Jugenddorf-Christophorus-Schule, erfahren. Und so gab es als Dankeschön für den Ehrenvorsitzenden der FDP, der 90 Minuten lang den Schülern unter dem Thema „Hans-Dietrich Genscher hautnah - Zeitzeugengespräch“ ganz offen und ihre Fragen beantwortet hatte, ein Gummibärchenbild von der Schülervertretung.

„Für Politik

interessieren“

Obwohl Ehrenvorsitzender der FDP, hält sich der 80-Jährige weitgehend aus den aktuellen politischen Belangen heraus, erklärte er und verwies auf seine Großväter, die beide Bauern gewesen seien. „Die haben dann den Hof an die Söhne abgegeben, aber überall noch entscheiden wollen, und dieses ,Altbauernproblem gibt es halt in der Politik auch", sagte er.

„Was würden Sie Jugendlichen mit auf den Weg geben", fragte Christian. „Ich will nicht missionieren", erhielt er zur Antwort, „aber ich habe die Verpflichtung, meine Erfahrung weiterzugeben." Dass junge Leute sich für Politik interessieren sollten, empfiehlt Genscher, wobei dies nicht unbedingt Parteipolitik sein müsse. Jedoch sollten die Antworten der Parteien auf die jeweiligen Fragen verglichen werden. Mit blick auf Europa und seine Entwicklung meinte Genscher, dass es dynamisch zusammenwachse und nicht überbürokratisiert werden dürfe.

Gleich zu welchem Themenkreis angesprochen, gab der 80-Jährige, der als Innen- und Außenminister und als Vizekanzler unter Helmut Schmidt beziehungsweise Helmut Kohl arbeitete, immer seine eindeutige Stellungnahme ab. Beifall gab es vonseiten der Schüler, als er den Abschuss gekaperter Flugzeuge ablehnte.

„In einem Land, in dem die Todesstrafe verboten ist, dürfte man über die Maßnahme gar nicht nachdenken!" Zur Schuldfrage im Zusammenhang mit dem Nationalsozialismus sagte er: „Eine Kollektivschuld kann es nicht geben, man kann aber von einem Kollektivschaden und einer -verantwortung sprechen." Er selbst war bei Hitlers Machtübernahme sechs Jahre alt und gerade zur Schule gekommen, erinnerte er sich.

„Wir würden uns sehr freuen, wenn sie uns noch einmal besuchen würden und dann vielleicht ihren Freund Michail Gorbatschow mitbringen", sagte Schülersprecher Philipp Herzog zum Abschluss. „Ich komme gern wieder, das sollte aber niemand zum Anlass nehmen, seine normale Verweildauer an der Schule zu verlängern", gab Genscher schlagfertig zurück. Bedanken konnte er sich noch für eine gelbe CJD-Krawatte, die mit seinem berühmten gelben Pullunder harmoniert. Mit stehenden Ovationen verabschiedeten die Schüler ihren Gast.



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