Schriftgröße

Zum Schreien komische Höhner

Von JAN WÖRDENWEBER, 15.12.07, 12:27h, aktualisiert 17.12.07, 15:59h

Die Premiere der Stunksitzung mit kölschem Muezzin, "Schnäuzerman" und Bruce Kamell. Die Fans waren sich einig: Eines der besten Programme der vergangenen Jahre. Nur ein Meisner-Sketch sorgte für geteiltes Echo.

Bild: dpa
Bild vergrößern
Auch der katholische Erzbischof Joachim Meisner wurde veralbert - mit geteilter Resonanz.
Bild: dpa
Bild verkleinern
Auch der katholische Erzbischof Joachim Meisner wurde veralbert - mit geteilter Resonanz.
„Sie wollten Kunst und bekamen HA Schult. Sie wollten ein pulsierendes Nachtleben und bekamen einen Flughafen mit Nachtlandeerlaubnis. Sie wollten ein Stadion und bekamen eine Folterkammer.“ Kurzum: Die Kölner können sich in dieser Stadt nur wohl fühlen, indem sie ordentlich Karneval feiern. Für die Schöpfungsgeschichte aus lokaler Sicht als Schattentheater aus gab es stehenden Beifall im ausverkauften E-Werk. Das Ende der über dreistündigen Premiere der Stunksitzung kam irgendwie auch einer Liebeserklärung gleich. Und das von einem Ensemble, das zuvor in gewohnter Manier über so einige und einiges in Kölle gestänkert und gelästert hat.

Abgesehen vom Meisner-Sketch, der im Publikum ein geteiltes Echo auslöste, waren sich die Fans einig: Eines der besten Programme der vergangenen Jahre. Allen voran der Schrei-Chor bekam Bestnoten. Einzelne Silben bekannter Höhner-Lieder wurden im Kanon vorgetragen. Hellauf begeistert zeigten sich auch die „echten“ Höhner: „Sensationell! Das ist ganz hohe Kunst“, meinte Bassist Hannes Schöner, der mit den Kollegen Jens Streifling und Peter Werner die Nummer bereits am Vorabend bei der Generalprobe erlebt hatte.

Zugabe-Rufe erntete auch Stunker Ozan Akhan, der als kölscher Muezzin zur ausgezeichneten Band Köbes Underground „Do simmer dabei, dat es prima“ oder „Ich ben ene kölsche Jung“ sang. Zuvor hatte Moderatorin Biggi Wanninger, die unter anderem als Dressman „Bruce Kamell“ auftrat, ihre Gedanken zum Moscheebau formuliert. Bei den ganzen Diskussionen könnte am Ende eine Art „Gürzenich für Moslems“ mit Weinzwang herauskommen und „die tot geglaubte Herrensitzung feiert ein Comeback“.

In Anspielung auf das Dreigestirn aus der KG Luftflotte hielten die Stunker eine Pilotensitzung ab. „Wir haben die ersten Büttenreden mit leichten Turbulenzen überstanden. Wir bitten, gut gelaunt zu bleiben, bis die Gute-Laune-Zeichen über ihnen ausgeschaltet sind.“ Und: „Im unwahrscheinlichen Fall eines Stimmungsabfalls fällt Bernd Stelter von der Decke.“

Didi Jünemann, der erst als Super-Schramma ins „Schnäuzerman“-Kostüm geschlüpft war, erklärte später als FC-Vize Jürgen Glowacz das Phänomen 1. FC Köln, sprach über „Millowitsch Novakovic“ und lederte gegen Chefscout Stefan Engels: „Er hat es geschafft, die einzigen drei Brasilianer ohne Ballgefühl zum FC zu holen.“

Auch die Bundespolitik kam nicht zu kurz: Beim „AOK-Musical“ traf ein von Schwestern verwöhnter Privat-Patient auf ein halb verhungertes Lazarett von Kassenpatienten. Und beim Thema Innere Sicherheit war der zweieinhalbjährige Melvin in Schäubles Rasterfahndung stecken geblieben. Zudem wurden Mutter und Oma als Islamistinnen verdächtigt, weil Mutter ohne Schweinefleisch kocht und Oma dem Kleinen Geschichten von Aladin vorliest.

Zum Schreien auch die Bundeswehr-Multikulti-Truppe mit „General Bushido“: Ein Italiener, der im Panzer Pizza ausliefert - aber nur über den Militärring. Und Murat, der den Panzer tiefer gelegt und mit Goldketten versehen hat. Solch eine Truppe hat am Hindukusch nichts verloren.



Die Kölnische Rundschau im Abonnement erhalten JETZT BESTELLEN!
4 Wochen Rundschau zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%.

Newsticker


Anzeige



Rundschau-Wahl


Bildergalerien


Aktion


Virtueller Rundgang


Extra


Extra


Aktion


Jecken-Lexikon

A   B   C   D   E   F   G   H   J   K   L   M   N  

O   P   Q   R   S   T   U   V   W   X   Y   Z  



Links


Extra


Dienste