Von CHRISTOPH MATHIEU, 30.12.07, 20:35h, aktualisiert 31.12.07, 18:48h
Rund 20 000 Aleviten sind aus ganz Deutschland angereist, um auf dem Roncalliplatz ihrem Unmut gegen die Tatort-Folge „Wem Ehre gebührt“ von Regisseurin Angelina Maccarone Luft zu machen, die vergangenen Sonntag ausgestrahlt wurde und von Inzest in einer alevitischen Familie handelt. „Wir Aleviten partizipieren an einer durch Aufklärung und die Moderne geprägten Kultur in Deutschland und Europa. Wir stehen für Freiheits-, und Bürgerrechte“, sagt Ali Ertan Toprak, Generälsekretär der Alevetischen Gemeinde Deutschlands.
Kopftuchtragende Türkinnen sucht man auf der Massendemonstration vergeblich. „Unser Glaube beinhaltet die Emanzipation der Frau“, erklärt Emine Sakin, die mit ihren Kindern aus Wuppertal gekommen ist. „In der Türkei sind wir eine Minderheit, die jahrhundertelang verfolgt und ermordet wurde. Das Klischee, wir würden Inzucht betreiben, ist ein Propagandamittel, das die Sunniten von unserer Mann-Frau-Gleichstellung ableiten.“
Ihr 22-jähriger Sohn Ayclim Sahin ist daher doppelt vom Tatort empört: „Der Film trägt die Vorurteile, unter denen wir in der Heimat zu leiden haben, nach Deutschland weiter. Und am Ende findet die missbrauchte Tochter Erlösung im Kreis der Sunniten, wo sie sich verschleiern muss.“ Grund genug für viele Demonstranten, der Tatort-Folge sunnitische Propaganda vorzuwerfen. „Die Aleveiten sind in Deutschland nicht sehr bekannt. Die Regisseurin wurde bei ihren Recherchen sicher von falschen Leuten beraten“, sagte Demonstrant Celal Cömert.
Dr. Lale Akgün, Islambeauftragte der SPD aus Köln, verteidigte den Film und richtete sich mit einem offenen Brief an Maccarone: „Der Protest gegen Ihren Film ist ein Sturm im Wasserglas. Funktionäre sehen den Krimi als Gelegenheit, die Werbetrommel in eigener Sache zu rühren.“
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