Von FABIAN WAHL, 06.01.08, 20:14h
Deshalb hat sich auch Florian Sperzel (24) für einen der freigewordenen Trompetenplätze beworben. In Bonn ist Auswahltag. Zehn Minuten gibt ihm die dreiköpfige Jury, dann heißt es drei Tage lang auf Antwort warten. „Es hat ganz gut geklappt. Aber es könnte immer besser laufen“, gibt sich Florian, aus dem Raum Frankfurt / Main kommend, nach seinem Vorspiel vorsichtig.
Mit acht Jahren entdeckte er den Spaß an der Musik. Nach dem Landesjugendjazzorchester Hessen und dem Musikkorps der Bundeswehr folgte eine Anstellung beim Musical „Grease“. Im BuJazzO möchte der Musikstudent sein bisheriges Können weiter ausbauen. „Das wäre großartig“, sagt Florian. 45 junge Talente bildet der Deutsche Musikrat als weltweit größter Musikverband im BuJazzO zur Zeit aus. Auf zwei Trainingsphasen pro Jahr mit bekannten Gastdirigenten folgen etwa 15 Konzerte im In- und Ausland. Bis zum Jahr 2006 lehrte der deutsche Bandleader Peter Herbolzheimer das Orchester, jetzt wechselt die künstlerische Leitung im Halbjahrestakt. Und damit auch die Stilrichtungen: Vom Swing und klassischen Einflüssen über Latin- und Salsa-Anleihen bis hin zu rockigeren Tönen ist alles vorhanden. Dabei nimmt die Zahl der eigens komponierten Stücke stetig zu.
Vor gut 20 Jahren wäre diese Entwicklung noch undenkbar gewesen. „Bei offiziellen Anlässen bekamen die Gäste immer klassische Musik zu hören“, schildert Ortmann, der schon von Beginn an für das Projekt BuJazzO verantwortlich ist. „Die Leute fragten, ob es nicht auch mal etwas anderes geben könnte.“ So appellierte der Jazzliebhaber und damalige Bundeskanzler Helmut Kohl an den Deutschen Musikrat: „Wir benötigen ein Spitzenensemble für den Jazz, in dem sich Nachwuchsmusiker verbessern können.“
Sechs Alben sind seitdem erschienen, 400 Konzerte bestritten und 20 Auslandsreisen unternommen worden. Vor zehn Jahren erhielt das BuJazzO den Deutschen Musikpreis. Ehemalige Bandmitglieder wie Till Brönner oder Roger Cicero sind zu berühmten Musikern geworden. Auch „die Bewerberqualität hat sich stark verbessert“, erklärt Peter Ortmann. Musikschulen führten die jungen Talente heute besser heran. (dpa)
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