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„Huber spricht nicht für die ganze Kirche“

Erstellt 09.01.08, 20:16h

„Auch der katholische Mensch kann irren“ - über die Thesen des EKD-Ratsvorsitzenden Wolfgang Huber zum Embryonenschutz sprach Raimund Neuß mit Landesbischof Friedrich Weber, dem Catholica-Beauftragten der deutschen Lutheraner.

„Auch der katholische Mensch kann irren“ - über die Thesen des EKD-Ratsvorsitzenden Wolfgang Huber zum Embryonenschutz sprach Raimund Neuß mit Landesbischof Friedrich Weber, dem Catholica-Beauftragten der deutschen Lutheraner.

Ein Embryo ist ein Mensch, und über Menschen darf nicht als bloßes Mittel zu Zweck verfügt werden - auch nicht zum Zweck der medizinischen Forschung: Ist das nur eine katholische Position?

Das ist eine christliche Position und nicht nur eine katholische. Es ist auch meine Position. Wir haben hier keinen Streit zwischen zwei Konfessionen, denn Bischof Huber beschreibt keine für die ganze evangelische Kirche verbindliche Sichtweise. Die Überschrift über seinem Text - „Auch der katholische Mensch kann irren“ - ist von Journalisten gemacht und soll wohl den Grundsatzstreit zwischen den Konfessionen suggerieren. Sie klingt ja an Luthers Wort von Päpsten und Konzilien an, die irren können. Von einem Grundsatzstreit wie damals kann nicht die Rede sein. Beide Kirchen haben 2001 erklärt, der Schutz menschlicher Embryonen dürfe nicht eingeschränkt werden. Das gilt aus Sicht von Lutheranern nach wie vor.

Aber nicht erst Bischof Huber, sondern schon die letzte EKD-Synode in Dresden sprach sich für eine Verschiebung des Stichtages für die Nutzung von bereits in der Vergangenheit aus Embryonen gewonnenen Stammzellen aus &

Das ist richtig. Die Synode widersprach aber jeder Forderung, Embryonen zum Zweck der Forschung zu töten. Man hat einen Kompromiss gesucht zwischen dem Interesse schwer kranker Menschen an Heilung und dem Schutz der Embryonen. Man hat schon Anfang des Jahrzehnts gemeint, ihn mit dem Stichtag gefunden zu haben, und glaubt nun, eine einmalige Verschiebung sei zu vertreten, weil ältere Zelllininien nicht mehr brauchbar seien.

War das eine Lehrentscheidung?

Nein. Mein Kollege Huber stellt Voten kirchenleitender Organe bei uns den Lehrentscheidungen der katholischen Hierarchie gegenüber. Uns Lutheranern liegt daran, dass jeder Gläubige am Lehramt teilhat - eine Folge des allgemeinen Priestertums. Eine Synode kann also nicht mit der Verbindlichkeit entscheiden wie bei Katholiken ein Papst oder ein Konzil.

Bischof Huber sagt, wer gegen Embryonenforschung sei, solle die Alternativen nachweisen.

So wichtig manches Forschungsziel sein mag, es rechtfertigt nicht den Einsatz aller Mittel. Ich bin schon mit dem Kompromiss der letzten Synode nicht glücklich. Die Forschung an embryonalen Stammzellen ist ohnehin weit davon entfernt, die Therapien zu entwickeln, die Optimisten von ihr erwarten. Schon von daher gab es keinen Grund, den Forschern durch die Verschiebung entgegenzukommen.

Wie finden beide Kirchen denn wieder zueinander?

Nochmals: Es ist keine Auseinandersetzung zwischen Konfessionen, sondern zwischen bestimmten Kirchenvertretern. Es könnte sein, dass manche Theologen jetzt versuchen, mit dem Bonner Ethiker Hartmut Kreß menschliches Leben - das ist ein Embryo zweifellos - von menschlicher Existenz zu unterscheiden. Aber das ist nicht mein Weg. Ich halte es eher mit Autoren wie dem katholischen Sozialwissenschaftler Manfred Spieker, die eine Rückbesinnung auf den ersten Grundgesetzartikel über die unantastbare Würde des Menschen fordern. Eine Würde, die dem Menschen geschenkt ist und die unveräußerlich ist. Diese Würde kommt dem Menschen auch in seiner embryonalen Gestalt zu.



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