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Läuft erst einer los, dann rennen fast alle

Von LARS HERING, 10.01.08, 21:25h

Viele Fußgänger warten nicht, sondern laufen einfach. Egal, ob die Ampel rot ist. Psychologe Gerd Pfeiffer fordert verkürzte Wartezeiten, die Polizei verteilt Knöllchen an Rotlichtsünder.

Bild: Rakoczy/ Archiv
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Eine rote Ampel im Kölner Verkehrsjungel.
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Eine rote Ampel im Kölner Verkehrsjungel.
Puh, das war knapp. Eng zwischen Bahngleisen und Straße gedrängt steht ein Mann in der Mitte der Cäcilienstraße. Ungeduldig mit dem Fuß auf und ab wippend hatte er an der roten Ampel gewartet. Als sich vom Neumarkt her der Autoverkehr näherte, sprintete er los. Doch da rauschte ausgerechnet die Bahn heran. Er übersteht seine Waghalsigkeit zum Glück unbeschadet.

Vielleicht hat er den älteren Herrn gesehen, der zwar ordnungsgemäß gewartet hat, aber deshalb auch über drei Minuten brauchte? Oder gehört er einfach zu den vielen Kölnern, die sich im Straßenverkehr keine Zeit nehmen zu warten? Mit vielen Aktionen, etwa teuren Knöllchen, will die Polizei Rotlichtsünder bekehren. Kein Wunder: 2007 verunglückten 30 Prozent mehr Fußgänger als im Vorjahr. Fünf Menschen starben sogar, weil sie Ampelsignale missachtet hatten. Aber liegt dies nur am fehlenden Willen, Gesetze zu befolgen?

Professor Gerd Pfeiffer, Verkehrspsychologe an der Uni Köln, ist von einem anderen Zusammenhang überzeugt. Weil Menschen möglichst schnell vorwärts kommen möchten, sei die Einstellung an Ampeln egoistisch. Damit weniger Menschen bei Rot gehen, fordert er: „Die Ampelphasen müssen kürzer sein.“

In Köln ist das gerade nicht so. Nur in zwei Zügen kann gegenüber von St. Aposteln (s. Kasten) die Hahnenstraße überquert werden. Auf einer Verkehrsinsel, die auch die Bahn von beiden Seiten durchfährt, müssen die Fußgänger warten. Innerhalb weniger Minuten laufen ein Schüler mit wippendem Rucksack und sogar eine ältere Frau mit prall gefülltem, arg schwankendem Trolley über die Straße. „Minutenlang zu warten, um die Straße zu überqueren - das ist nicht nachvollziehbar“, sagt Roland Schüler vom Verkehrsclub Deutschland. 350 „Ärgerampeln“ in Köln wurden seinem Verein in einer Umfrage hierzu bereits genannt.

Wilfried Bornhold vom Amt für Straßen und Verkehrstechnik warnt Rotlichtsünder vor ihrem „lebensgefährlichen Verhalten“. Das Amt müsse eben alle Verkehrsteilnehmer berücksichtigen. Auto, Bus und Bahn hätten dabei Vorrang. „Die Restzeit ist für Fußgänger und Radfahrer.“ Diese müssen aber das für sie vorgesehene Zeitfenster erwischen, sonst dauert es länger.An den Taktfrequenzen von 85 und 110 Sekunden werde aber nicht gerüttelt. ADAC-Pressesprecher Andreas Hölzl sagt dazu: „Auf Hauptverkehrsstraßen soll der Verkehr gebündelt werden. Dafür brauchen wir die Grüne Welle.“ Kürzere Takte würden dies verhindern.

Die Ampeltakte regelt heute in der City ein Verkehrscomputer mit drei „starren“ Programmen für morgens, mittags und abends. In der nächsten Woche wird er gegen ein neues Modell ausgetauscht. „Künftig soll das Verkehrsaufkommen exakt erfasst werden können, damit der Verkehr schneller abfließen kann.“ Doch erst müssten auch die Signalanlagen erneuert werden. Aber: „Das kann noch fünf Jahre dauern.“ Längere Grünphasen für Fußgänger seien aber auch dann nicht zu erwarten.

Sehr uneinheitlich sind die Ampelzeiten, wenn die An- und Abfahrt der Bahn einbezogen werden muss. Um beim Umsteigen am Barbarossaplatz noch schnell die nächste Bahn in der Mitte des Hohenstaufenrings zu bekommen, kümmern sich nicht alle Eiligen um die Signale. Läuft erst einer los, rennen fast alle. Auch wenn die Ampel hier schnell umspringt. Etwas weiter am Zülpicher Platz das gleiche Bild. Dicht gedrängt stehen an den Ampeln die Menschen. Manche rennen - trotz Rot - die wenigen Meter auf die Bahninsel, knubbeln sich dort mit den wartenden Bahnfahrern. Es wird geschoben und geschimpft. Nur einen halben Meter weiter brausen Bahn und Autos vorbei.

Am Ebertplatz, Ecke Sudermannstraße wartet kaum jemand auf Grün. Während einer langen Rotphase fahren nur ein Auto- und ein Radfahrer dort entlang. Die Ampel soll bald abgebaut werden, so Bornhold. Wie das Problem an den vielen anderen Ampeln gelöst werden soll, bleibt ungewiss.



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