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Als ob man Quecksilber einfängt

Von MARTIN OVERSOHL, 18.01.08, 20:30h, aktualisiert 18.01.08, 20:31h

Gerhard Richter bereitete die Ausstellung seiner rund 60 Werke im Baden-Badener Museum Frieder Burda präzise vor. Die künstlerische Entwicklung des Malers entzieht sich jeglicher Kategorisierung.

Gerhard Richter
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Gerhard Richter scherzt vor seinem Werk «Abstraktes Bild, Courbet».
Gerhard Richter
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Gerhard Richter scherzt vor seinem Werk «Abstraktes Bild, Courbet».
BADEN-BADEN. Gerhard Richter ist einmal mehr auf Nummer sicher gegangen: Präzise bereitete er die Ausstellung seiner rund 60 Werke im Baden-Badener Museum Frieder Burda vor. Er ließ sich ein maßstabsgetreues Modell sägen und feilte im Atelier an der Präsentation der Bilder, die aus privaten Sammlungen und eigenem Besitz stammen.

Die Werke aus den vergangenen vier Jahrzehnten sollen zeigen, warum Richter seit Jahren der teuerste und bedeutendste deutsche Gegenwartskünstler ist. Er selbst freilich würde die Preise seiner eigenen Bilder keinesfalls bezahlen, wie der 75-Jährige vor der Vernissage sagte: Der Kunstmarkt sei zurzeit „ein einziger Hype. Es geht nur noch ums Geld und nicht mehr um die Kunst als solche.“

Wie so oft ließ Richter auch im Burda-Museum verschiedenartige Bilder nebeneinanderhängen, um zu zeigen, dass in seinem umfassenden Werk kein Stil einem anderen vorausgeht oder folgt. Im lichtdurchfluteten Richard-Meier-Bau präsentiert der Kölner zwischen seinen weltbekannten fotorealistischen Bildern wie der „Kerze“ (1982) und dem Zyklus „Bühler Höhe“ (1991) auch große, teils überaus farbige, teils stumpf-mausgraue und abstrakte Kompositionen.

Die nicht chronologische Zusammenstellung des facettenreichen Werks Richters macht vor allem deutlich, dass sich die künstlerische Entwicklung des Malers jeglicher Kategorisierung entzieht: Städtebilder aus der Vogelperspektive, Landschaftspanoramen, hier eine Serie grauer Monochromien (einfarbige Werke), mit dicken Farbschichten aufgetragen; dort ein bisschen Pop-Art aus dem Frühwerk Richters wie „Neuschwanstein“ (1963) oder „Motorboot“ (1965).

Es regiert die bunte Mischung. Sein Werk wird nur zusammengehalten von Richters forschender und experimentierender Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit. „Der Versuch, Gerhard Richters Werk in den Griff zu bekommen, gleicht dem Bemühen, aus einem zerbrochenen Becher ausgelaufenes Quecksilber einzufangen“, meint etwa US-Kritiker Robert Storr. Mit seinen bekannten Unschärfebildern - wie der berühmte Akt „Ema“ (1966) - sucht Richter die Realität vor allem in Fotografien und ihrem präzisen und täuschenden Übertrag auf die Leinwand. Sein ganzes Leben beschäftigt sich der Künstler mit der Frage, ob und wie Malerei diese Wirklichkeit abbilden kann. Nach dem Zufallsprinzip experimentierte Richter bereits Ende der 60er Jahre mit geometrisch angeordneten regenbogenbunten „Farbtafeln“, die in neuer Fassung auch im Kölner Dom als Fenster bewundert und zum Teil auch kritisiert werden.

Bis 27. April,Di bis So 11-18 Uhr. Katalog: 24 Euro. Lichtentaler Allee 8b.

museum-frieder-burda.de



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