kalaydo left kalaydo logo
stellen
auto
immobilien
marktplatz
inserieren
Schriftgröße

Liebesbriefe für getöteten Jugendlichen

Von DANIEL TAAB und JAN WÖRDENWEBER, 22.01.08, 20:39h, aktualisiert 25.01.08, 11:23h

In Kalk fand eine große Trauerfeier statt. Der „Tatort“ ist der Treffpunkt für die Freunde von Salih geworden. Hier befürchten viele, dass die Akte vorschnell geschlossen wird, dass das Opfer zum Täter gestempelt wird.

Salih im Urlaub, lächelnd mit den Eltern oder beim Herumhängen mit Freunden. Der getötete 17-Jährige ist in diesen Tagen in Kalk allgegenwärtig. Am Schaufenster eines Handy-Shops an der Kalker Hauptstraße haben Freunde und Angehörige eine große Gedenkstätte errichtet. Mädchen haben Liebesbriefe verfasst, andere haben ihre Erinnerungen auf seitenlangen Briefen niedergeschrieben. Davor stehen über 100 Kerzen.

Der „Tatort“ ist der Treffpunkt für die Freunde von Salih geworden. Dort wird über die Justiz geschimpft, neue Pläne für Demonstrationen besprochen und von dort aus den Weg zu einer Trauerfeier in einer Hinterhofmoschee an der Taunusstraße angetreten. Viele junge Frauen liegen sich in den Armen und weinen leise.

Mittendrin: Der Bruder von Salih. Er gab gestern quasi eine Pressekonferenz nach der anderen. „Das kann nicht Notwehr gewesen sein. Da muss noch etwas anderes vorgefallen sein“, sagt der Bruder immer wieder, und seine Kumpels stimmen mit ein. Dass Salih den Streit angefangen hat und er es war, der auf den 20-Jährigen und seinen 17-jährigen Freund los ging, lässt man nicht gelten. Nachfragen zu dem Raubüberfall werden nicht gerne gehört: „Mein Bruder war nicht kriminell.“

Die große Solidarität mit den Angehörigen des Toten seitens jugendlicher Ausländer oder Menschen mit Migrationshintergrund erinnert Rolf Blandow ein wenig an die Vorfälle in den Vororten von Paris: „Bei Jugendlichen aus benachteiligten Wohngebieten prägt sich schnell ein Wir-Gefühl aus“, sagt der Sozialraumkoordinator für Ostheim und Neubrück. In Kalk gibt es keinen. Soziologen vermuten, dass sich viele ausländische Jugendliche als Kriminelle vorverurteilt fühlen und auch deshalb auf die Straße gehen.

Die Familie des Getöteten, Freunde und Bekannte befürchten, dass Polizei und Staatsanwaltschaft schnell die Akte schließen. Dieser Befürchtung widersprach gestern Oberstaatsanwalt Alf Willwacher: „Die Ermittlungen dauern an. Es wird weitere Vernehmungen und Befragungen geben.“

Gestern besuchten Kripobeamte mehrere Hausbewohner nahe des Tatorts auf der Suche nach neuen Zeugen. Willwacher räumte ein, dass man am vergangenen Wochenende hätte sagen müssen, dass die Notwehr-Version ein vorläufiges Ergebnis sei. „Das war etwas missverständlich“, so Willwacher. Dennoch spreche bei der Tat vieles für eine Notwehrhandlung.

Unterdessen stellte sich die Polizei die Frage, ob der 20-Jährige, der Salih tödlich verletzte, unter Polizeischutz gestellt werden muss. „Es gab eine Gefährdungsanalyse. Aber wir sehen den jungen Mann nicht als besonders gefährdet an“, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte.



Die Kölnische Rundschau im Abonnement erhalten JETZT BESTELLEN!
4 Wochen Rundschau zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%.

Newsticker


Anzeige


rundschau-schulfinder

Finden Sie die passende Schule für Ihr Kind

Stadt:
und
PLZ:
und / oder Schulform
Gymnasium
Hauptschule
Realschule
Gesamtschule


Rundschau-Service


Rundschau-Wahl


Extra


WAS.WANN.WO.


Bildergalerien


Extra


Rundschau-Kompass


Rundschau-Serie


Serie


Rundschau-Service


Rundschau-Serie


Bilderstrecken-Serie


Hintergrund


RHEINLAND WETTER


Extra


Top-Links

Anzeige


Ihre Top-Artikel


 

Extra


Dienste