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Das krumme Gütesiegel der Kunst

Erstellt 24.01.08, 13:50h

Begonnen hat die Karriere der Banane vor 25 Jahren als Bubenstreich an einem Kölner Kreuz. Mittlerweile schmückt Künstler Baumgärtel mehrere tausend Kunstorte auf der Welt und bekommt nun eine eigene Ausstellung.

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Der "Bananensprayer" Thomas Baumgärtel.
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Der "Bananensprayer" Thomas Baumgärtel.
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Die "Bananenenzyklopädie" des Künstlers Thomas Baumgärtel im Museum Goch.
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Eines von über 100 Bananenbildern hängt Künstler Thomas Baumgärtel im Museum Goch auf. Ab dem 27. Januar wird hier die gesamte Spannbreite der "Kunstform" Banane gezeigt.
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Goch/Köln - Ganz sakral inszeniert hängt das simple Holzkreuz in einer Nische der Museumswand, der Besucher stutzt: Statt der üblichen Jesus-Figur windet sich eine vertrocknete, dunkelbraune Bananenschale an den Kreuzbalken. Vor genau 25 Jahren klemmte der Kölner Künstler Thomas Baumgärtel, damals "Zivi" in einem katholischen Kleinstadt-Krankenhaus seiner niederrheinischen Heimat, seine Frühstücksbanane auf das Kreuz einer Krankenstation. Es war zunächst ein Bubenstreich, Rebellion gegen die bigotte Enge des rheinischen Flachlandes, der die Krankenhaus-Nonnen um die Fassung, manche Patienten aber zum Schmunzeln gebracht hat. Für den Wahl-Kölner war die "heftige ambivalente Reaktion" (Baumgärtel) auf seine gekreuzigte Südfrucht Antrieb genug, die Banane künftig als sehr persönliches Kunstsymbol zu nutzen.

An Museen und Galerien zwischen New York, Berlin, Zürich oder Moskau, überall dort wo ein frisches, mutiges Ausstellungsprogramm gepflegt wird, sprüht er - meist in nächtlichen Blitzaktionen - seine schwarz-gelbe Banane an den Eingang. "An die 5000 Orte", erzählt der 47-Jährige, haben bisher sein sehr subjektives Gütesiegel erhalten, das er auch unter den Augen bärbeißiger Bewacher flugs an Moskaus Rotem Platz anbrachte oder skulptural als Riesenbanane 1998 vor dem Kölner Dom platzierte.

Das Museum von Goch am Niederrhein widmet dem längst als "Bananensprayer" bekannten Künstler von Sonntag an (bis 30. März) mit rund 200 Objekten, Zeichnungen und Gemälden eine umfangreiche Werkschau, die mit einer Reihe subtiler Malereien auch eine ganz andere, viel ernsthaftere und politische Seite des Kunst-Eulenspiegels belegt. Ein magisches Selbstbildnis, gleich neben dem Kreuz als Anfang aller Dinge, zeigt den Künstler bei einer Spray-Aktion. 120 Mini-Motive ("Die Metamorphose der Spraybanane") umkreisen enzyklopädisch das durchaus auch erotisch geladene Thema "Banane", oder Kitschbilder vom Flohmarkt erhalten - bananig übermalt - ganz neue Qualitäten.

Was in der Spitzen-Kochszene Sterne oder Mützen sind, dass sind in der Kunstwelt seit Jahren Baumgärtels gesprühte Bananen, erklärt Gochs Museumsdirektor Stephan Mann: "Es geht immer um Dialog; er entdeckt, dass er mit ganz einfachen Aktionen Reaktionen hervorruft." Aber die müssen längst nicht immer positiv sein, erzählt Baumgärtel. Während sich die Creme der New Yorker Galeristenszene vor Jahren begeistert vom "crazy thing" des jungen Deutschen an 60 Häusern gezeigt habe, hagele es gerade von den "Stars" des deutschen Kunsthandels immer wieder Anzeigen wegen Sachbeschädigung.

Akribisch aufgereiht in schwarzen Ordnern füllen die Justizakten ("Strafe sind meist 1000 Euro.") in Goch zwei große Museumsvitrinen. Auffallend viele seiner Galeristen-Gegner hätten ihre Häuser mittlerweile geschlossen, analysiert der ausgebildete Kunst- und Gesprächstherapeut Baumgärtel. Die Spray-Banane als Psycho-Test, denn "jeder geht damit so um, wie er ist als Mensch."

Zum Kulturhauptstadt-Jahr möchte der Kölner 100 bedeutende Kunstorte im Ruhrgebiet mit der gekrümmten Tropenfrucht markieren -ob mit oder ohne Festivalerlaubnis, "ich mache das sowieso". Und dann gibt es noch konkrete Pläne, "vielleicht bis 2011" eine Riesen-Banane zwischen die noblen Säulen des Brandenburger Tors zu schieben. Die Südfrucht als Symbol der glücklichen deutschen Einheit: "Natürlich will ich mit der Banane keine Bürger der Ex-DDR-auf die Schippe nehmen." (dpa)



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