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„Wir alle sind vor Angst wie gelähmt“

Von JAN WÖRDENWEBER, 24.01.08, 21:14h, aktualisiert 25.01.08, 11:53h

Ihren richtigen Namen will Maria aus Angst nicht in der Zeitung lesen. Zu groß ist die Sorge vor möglichen Übergriffen aufgebrachter Kalker Jugendlicher. Auch deshalb hat sie lange überlegt, ob sie an die Öffentlichkeit gehen soll.

Ihren richtigen Namen will Maria aus Angst nicht in der Zeitung lesen. Zu groß ist die Sorge vor möglichen Übergriffen aufgebrachter Kalker Jugendlicher. Auch deshalb hat sie lange überlegt, ob sie an die Öffentlichkeit gehen soll. „Aber es kann nicht sein, dass jemand zum Mörder abgestempelt wird, der eigentlich Opfer ist“, wehrt sich Maria gegen die allabendlichen Demonstrationen auf der Kalker Hauptstraße. Ihr Cousin und dessen Freund, der den 17-jährigen Salih laut Staatsanwaltschaft in Notwehr mit einem Messer tödlich verletzt hat, führen kein normales Leben mehr, sagt die junge Frau. Mehr noch: „Wir alle sind vor Angst wie gelähmt.“ Ihr Cousin werde seit Tagen von der Familie nicht mehr aus dem Haus gelassen, da Übergriffe marokkanischer Jugendlicher befürchtet werden. Seit dem Wochenende habe er die Schule nicht mehr besucht.

Sein Freund, der von den Demonstranten als „Täter“ angesehen wird, habe die Stadt aus Sicherheitsgründen verlassen. „Er wird Zeit seines Lebens daran zu tragen haben, dass es zu diesem Unglück gekommen ist“, sagt Maria. Bislang hätten die Jugendlichen keine psychologische Hilfe erhalten. Maria betont noch einmal, dass der Freund des Cousins sehbehindert sei. „Als ihm bei dem Überfall die Brille weggeschlagen wurde, hat er nichts mehr gesehen und in panischer Angst mit seinem Klappmesser herumgefuchtelt.“

Aber warum trug er ein Messer bei sich? Maria weiß es auch nicht, und betont, dass es sich nicht gehört, bewaffnet durch die Gegend zu rennen. Ihr Cousin und sein Freund seien in Kalk schon mehrmals Opfer von Raubüberfällen geworden.

Seit dem Wochenende gibt es in beiden Familien kein anderes Thema mehr, erzählt Maria. „Es geht nur noch darum, wie man den Tag gestalten kann, ohne wahnsinnig zu werden.“ Und: „Wir sind keine Schwerverbrecher. Hoffentlich wird das endlich mal klar.“



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