Von VERENA JOHNKE, 13.02.08, 20:31h
Die Familie aus Egerpohl hat ein wahres Abenteuer hinter sich. Nachdem trotz medizinischer Hilfe der Wunsch nach leiblichen Kindern unerfüllt blieb, begannen die Kleinschmidts sich mit dem Gedanken an eine Adoption auseinander zu setzen. Ein Pflegekind aufzunehmen, das kam für sie nicht in Frage: „Die Familienzusammenführung steht in Deutschland an erster Stelle, was bedeutet, dass das Kind oft zwischen Heim, Pflegefamilie und den leiblichen Eltern pendelt, ohne dass es in geordneten Verhältnissen leben kann. Dies stellt eine enorme emotionale Belastung, sowohl für das Kind, als auch für die Pflegefamilie dar. So etwas trauen wir uns nicht zu“, erklärt Holger Kleinschmidt.
Weg durch die Behörden
1999 entschloss sich das Ehepaar dann dazu, ein Kind zu adoptieren und diesem somit einen dauerhaft sicheren Halt zu geben. Sie wandten sich an das Kreisjugendamt in Gummersbach und der stressige Prozess begann. „Um zu sehen ob man adoptionsfähig ist, wird man praktisch auf links gezogen“, so Antje Kleinschmidt. Zum Antrag auf Adoptionsfähigkeit gehören zum Beispiel Atteste, polizeiliche Führungszeugnisse, der soziale Status, Fragebögen etwa zur Belastbarkeit sowie Hausbesuche.
Das Mindestalter für eine Adoption liegt bei 21 Jahren, ein offizielles Höchstalter gibt es theoretisch nicht, dafür aber die Richtlinie dahingehend, dass der Altersabstand zum Kind maximal 40 Jahre betragen soll. Am Ende winkt die Bescheinigung, die aber laut den Kleinschmidts nur das einfachste Zwischenziel darstellt.
Dennoch wurden ihnen schon am Anfang Mängel im System bewusst: „Man ist absolut ausgeliefert. Die Frage ob man adoptieren darf oder nicht hängt von lediglich einem Sachbearbeiter ab“, erklärt das Ehepaar.
So etwa die Regelung mit dem Altersabstand zum Kind, die beim ehemaligen Kanzlerehepaar Schröder nicht griff, bei einem befreundeten Paar, ebenfalls wie die Schröders aus Hannover, das zur selben Zeit adoptieren wollte hingegen schon.
Doch die Kleinschmidts bekamen nach rund einem halben Jahr ihren „Adoptionsführerschein“ und standen nun vor mehreren Fragen. Die erste war freilich, woher das Kind kommen sollte. „Ein deutsches Kind zu adoptieren wurde uns vom Jugendamt damals als aussichtslos dargestellt“, so das Ehepaar. Die Kinderheime seien zwar voll, jedoch müsse ein deutsches Kind ausdrücklich von beiden Elternteilen zur Adoption freigegeben werden. Und selbst wenn dies der Fall ist kämen zehn Bewerber auf ein Kind, was jahrelange Warterei und natürlich auch das Älterwerden der Adoptionswilligen mit sich bringe.
Auslandsadoption ist einfacher
Und so entschlossen sich die Kleinschmidts dazu, einem Kind aus dem Ausland eine Chance zu geben. „Obwohl man uns davon abriet, da hier auf dem Land eher mit Rassismus zu rechnen sei als etwa in der Großstadt“, so Holger Kleinschmidt.
Auslandsadoptionen werden in Deutschland über die Landesjugendämter oder von diesen autorisierten und im Ausland akkreditierten rund 15 Vereinen geregelt.
Verein prüft die Bewerber
Die Kleinschmidts entschlossen sich für den Berliner Verein „Eltern für Kinder“, besuchten Infotreffen, schrieben die Bewerbung mit Unterlagen wie Heirats- und Geburtsurkunde im Anhang, und musste dafür auch etwa ein psychologisches Gutachten von einem vom Verein ausgesuchten Psychologen für den Auswahlprozess über sich ergehen lassen. „Der Verein fährt eine sehr strenge Linie, aber dadurch soll sichergestellt werden, dass die Kinder in vernünftige Hände kommen“, meint Antje Kleinschmidt und ergänzt: „Ein Teil davon, wie etwa die Tests ob man befähigt ist, ein Kind zu erziehen, würde auch manch leiblichen Eltern gut tun.“
Jeder deutsche Adoptionsverein darf nur aus denjenigen Ländern adoptieren, für die er eine Genehmigung hat. „Eigentlich war uns das Herkunftsland nicht so wichtig. Als wir uns entscheiden mussten, gaben wir Brasilien an, wofür die Warteliste aber sehr lang war. Man schlug uns Thailand vor und wir waren einverstanden“, erklärt das Ehepaar.
Sicherlich spielt auch der finanzielle Aspekt bei einer Adoption eine große Rolle. Der Verein oder das Landesjugendamt sowie die Adoptionsstelle im Ausland verlangen eine Gebühr und auch die Kosten für Flug und Unterbringung müssen mit einkalkuliert werden. „Alles in allem muss man so zwischen zehn- und dreißigtausend Euro rechnen“, so Holger Kleinschmidt.
Langes warten auf Adoption
Der inoffizielle Adoptionsweg kam für die Familie nie ich Frage. „Es gibt Länder in denen dies vielleicht möglich ist, jedoch beteiligt man sich so sehr schnell am Kinderhandel. Und was erzählt man später dem Kind“, fragt der Vater sich.
Rund eineinhalb Jahre standen die Kleinschmidts auf der Warteliste des Vereins, zitterten ob und wann sie ein Kind bekommen, bis der erlösende Anruf und später das Foto eines kleinen thailändischen Jungen kam. Im April 2002 holten sie den damals 19 Monate alten Vincent ab. 2003 folgte, vermittelt durch das Jugendamt, die damals zweijährige Noemi aus Kambodscha und im letzten Dezember stieß der einjährige Lenard von den Philippinen zu der Familie. Die Kinder waren bei ihrer Ankunft offiziell nur im Ausland adoptiert und Kleinschmidts mussten in Deutschland noch mal einen Antrag stellen. „Wir kennen Familien, die irgendwann aufgegeben haben“, fasst das Ehepaar die schwierige und psychisch aufreibende Prozedur einer Adoption zusammen.
Dennoch bereuen die Kleinschmidts ihren Weg nicht. „Wir haben von allen Seiten, sowohl von der Familie, von Nachbarn, von Freunden, Bekannten, im Kindergarten und der Schule ausschließlich nur positives Feedback bekommen. Die Schulrektorin hat Vincent sogar Sonderurlaub erteilt, um mit uns gemeinsam Lenard von den Philippinen abzuholen“, freut sich das Paar. Und auch in den Ländern selber waren sie gerne gesehen. „Man hat sich sogar besonders dafür bedankt, dass wir "reichen Leute" den Kindern von dort ein Zuhause geben wollen!“
Kulturkreis oder gute Zukunft?
Den Vorbehalt, man reiße die Kinder aus ihrem Kulturkreis heraus, können die Kleinschmidts nicht teilen. „Die Frage ist doch, was erwartet die Kinder aus einem Heim in ihrem Kulturkreis? Zu höchster Wahrscheinlichkeit bittere Armut. Sie sind gebrandmarkt fürs Leben, erhalten keine Bildung und keinen elterliche Halt“, meint die Familie. Die Bindung zum Geburtsland möchten die Eltern ihren Kindern aber erhalten. „Wir schauen Dokumentationen über die Länder im Fernsehen, sprechen darüber und werden mit den Kindern auch wieder hinfliegen. Sie sollen ihr Geburtsland lieb behalten. Und vielleicht möchten sie ja ihre Wurzeln suchen.“
Mit ihrer Geschichte möchten die Kleinschmidts anderen Mut machen, einen ähnlichen Weg zu gehen, da sie aus vollem Herzen sagen können: „Es lohnt sich!“
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