Von MANFRED FUNKEN, 14.02.08, 07:15h
Am Dienstag stellte Kraftwerksleiter Armin Eichholz dem Bergheimer Haupt- und Personalausschuss die Pläne vor. Demnach werden alle wesentlichen Kraftwerkselemente, nämlich Kühlturm, Dampferzeuger, Turbine, Generator und die Leittechnik, gründlich überholt beziehungsweise erneuert. Ziel: mehr Leistung, mehr Flexibilität.
Der Wirkungsgrad soll durch die Modernisierung um zwei Prozent steigen, was rein rechnerisch einer CO-Einsparung von rund 600 000 Tonnen pro Jahr entspricht. Die neue Mess- und Regeltechnik soll die an und für sich schwerfälligen Grundlastversorger in einer gewissen Bandbreite (circa 16 Megawatt) in die Lage versetzen, auf Netzschwankungen, wie sie zum Beispiel durch die Einspeisung von Windenergie entstehen, zu reagieren. Preis für die zusätzliche Leistung: 50 Tonnen Kohle werden stündlich zusätzlich verfeuert. Das entspricht einem Jahresmittel von rund 400 000 Tonnen.
Die Maßnahmen seien auf eine Laufzeit von etwa 20 Jahren angelegt, sagte Eichholz, betonte aber, dass die Betriebsgenehmigung unbefristet sei. Die Inbetriebnahme für Block G ist im November 2008 geplant, Block H soll im August 2009 folgen.
Was RWE bauen will, haben die Politiker verstanden. Wie man mit mehr Kohle weniger CO produziert, erschloss sich ihnen auf Anhieb nicht. Lokal heizen, global denken, lautet die Formel, die RWE Power als Lösung anbietet. Der Handel mit Emissionszertifikaten führe dazu, dass die neu gewonnene Kapazität in Niederaußem irgendwo in Europa weniger wirtschaftliche Produktionsstätten verdränge.
Differenz im
Stilllegungsplan
Wolfgang Sewelies (SPD) erinnerte an Vereinbarungen, nach denen nicht mehr Kohle verbrannt werden dürfe als vor dem BoA-Bau. Der Grüne Reinhard Jütte befürchtete mehr Gesundheitsgefährdung der Anwohner durch Schwefeldioxid, Staub und Schwermetalle. Auch SPD-Fraktionschef Kai Faßbender wollte wissen, wies mit dem Zugewinn an Schadstoffen aussieht.
CDU-Sprecher Franz-Josef Düchting begrüßte die Investition und sang - Das ist nicht mit meiner Fraktion abgestimmt - eine Hymne auf RWE Power, seine Arbeitgeberin.
Am Rande der Sitzung machte Hans-Joachim Gille, Vorsitzender der Bürgerinitiative gegen die BoA-Erweiterung in Niederaußem (BigBEN), darauf aufmerksam, dass nach einem RWE-Vortrag vom Mai 2007 die Blöcke G und H bereits im Jahr 2020 stillgelegt sein sollen. Das hänge von der Umsetzung des Kraftwerkserneuerungsprogramms ab, sagt RWE Power, also vom Bau weiterer BoA-Blöcke.
Vom 19. Februar bis zum 18. März werden die Pläne im Rahmen des Genehmigungsverfahrens unter anderem im Bergheimer Rathaus öffentlich ausgelegt. Bis zum 1. April können Einwendungen an die Bezirksregierung gerichtet werden, die dann am 14. Mai öffentlich erörtert werden.
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