Von SASCHA WOLTERSDORF, 26.02.08, 20:38h
Die Sendung gestern entsprach so ganz und gar nicht dem üblichen Kuschel-Talk. „Diesmal kein Thema“, lautete der Titel der „Runde“, die eigentlich keine war. Es standen nur zwei Sessel im Studio, und zwar einander direkt gegenüber. Das hatte es zuletzt bei Altbundeskanzler und Altbundespräsident gegeben, als Helmut Schmidt und Richard von Weizsäcker zu Gast waren.
Geladen waren Altkabarettist Dieter Hildebrandt (80) und Oberzyniker Harald Schmidt (50), die, wie die ARD zuvor stolz mitteilte, zum ersten Mal gemeinsam ein Fernsehinterview gaben. Beide werden gewusst haben, warum. Maischbergers Bilanz nach der Sendung klang jedenfalls trocken: „Sie werden nie ein gemeinsames Programm machen.“ Noch trockener Hildebrandts Antwort: „Hatten wir auch nie vor.“
Davor waren 75 Sendeminuten über den Schirm gerast, die zu den kurzweiligeren Momenten der Fernsehgeschichte gehören. Nach dem üblichen Austausch von Höflichkeiten - der ehemalige Kabarettist Schmidt hatte immer Respekt vor Hildebrandt, traute sich nicht ihn anzusprechen - kam das, was immer kommt, wenn moralisch empörte und ironisch amüsierte Menschen miteinander sprechen. Vor allem wenn es um Politik geht.
Und darum ging es gestern Abend meistens. Rührend blieb Maischbergers Versuch, Schmidt mit einem „bei ihm weiß man ja nie, wo er politisch steht“ aus der Reserve zu locken. „Doch!“, konterte der Schwabe und brachte damit den Münchener Veteran von „Lach- und Schießgesellschaft“ und „Scheibenwischer“ so richtig in Fahrt. Sein jüngerer Kollege sei eben „einer, der gar nichts erst nimmt“ und „über den Dingen schwebt“.
Wiedergutmachung
auf Polnisch
Eine Revanche für Schmidts Scherze anlässlich des Steuerskandals. Es sei doch gut, hatte er gefunden, wenn einer wie der ehemalige Post-Chef Klaus Zumwinkel die Bodenhaftung verliere. „Weil unten sind doch alle.“
Schmidt, der sich als „politisch offen“ und „an der Oberfläche neutral“ beschrieb, geriet zusehends in eine politisierte Debatte. Und wirkte mitunter so genervt wie ein FDP-Funktionär, der Grünen-Chefin Claudia Roth länger als eine Minute zuhören muss.
Zum Schluss gelang dann doch die Überrumpelung: Mehr als zehn Jahre nach Schmidts Witzen über Autos klauende Polen gab es für ihn einen alten Golf. Als polnische Wiedergutmachung, weil zusammengeschraubt aus Teilen ungeklärter Herkunft. Diese gallige Spende hatte der polnische Filmemacher Stanislaw Krzeminski mitgebracht, den natürlich der alte Fuchs Hildebrandt als Überraschungsgast geladen hatte. Fazit: Punktsieg für den Alten. Der Junge dürfte trotzdem mit seinem Jaguar nach Hause gefahren sein.
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22. April 2012,
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