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26 verwaiste „Internet-Hündchen“

Von MANFRED HILGERS, 27.02.08, 19:13h

Mechernich/Euskirchen - Ein juristisches Nachspiel droht einem Ehepaar nach einem Internet-Handel mit Hunden. Beim Kreisveterinäramt meldeten sich immer mehr geprellte Käufer. Die Tiere sind krank oder verendeten schon nach kurzer Zeit.

Mechernich/Euskirchen - Einem Ehepaar aus dem Stadtgebiet Euskirchen, das trotz Verbots offenbar via Internet mit Hunden gehandelt hat, droht ein kräftiges juristisches Nachspiel. Beim Kreisveterinäramt in Euskirchen melden sich immer mehr geprellte Hundehalter. Vielen sind die bei dem Händlerpaar gekauften Hunde nach kurzer Zeit verendet. Wie Rainer Bauer, Leiter des Tierheims Mechernich, gestern mitteilte, bereite die Staatsanwaltschaft Hamburg eine Sammelklage gegen das Ehepaar vor.

Inzwischen sind alle 26 am Dienstag bei dem Ehepaar beschlagnahmten Hunde beim Tierschutzverein Mechernich in Quarantäne.

Einige husten und röcheln, manche haben Bindehautentzündungen oder leiden unter Würmern und Durchfall. „Nicht alle Tiere sind krank, aber alle Hunde müssen geimpft werden“, so der zuständige Veterinär Dr. Jochen Weins, der am Dienstag zusammen mit der Veterinärin Iris Groß und zwei Lebensmittelkontrolleuren die Tiere im Stadtgebiet Euskirchen beschlagnahmt hatte.

Die Veterinäre mussten zwei Mal anrücken, denn in den Morgenstunden hatten sie das Züchterpaar nicht angetroffen. Erst am Mittag waren sie zu Hause. Das Züchterpaar war in der Vergangenheit im Rhein-Erft-Kreis ins Blickfeld der Behörden gekommen und dort mit einem Handelsverbot belegt worden. Über Monate hinweg hatten die Veterinäre des Kreises Euskirchen die Aktivitäten der beiden verfolgt, bevor sie zuschlugen.

Aus anderen Ländern „importiert“

Dem Paar wird vorgeworfen, gegen das Tierschutzgesetz verstoßen zu haben. Die niedlichen Welpen sind zu jung für den Verkauf und offenbar zu früh von der Mutter getrennt worden. Sie stammen vermutlich aus Belgien, Holland oder osteuropäischen Staaten. Ein Muttertier können die beiden Händler nicht vorweisen. Die Hunde wurden im Internet ohne Papiere angeboten, aber mit einem Impfzeugnis. Wie das Impfzeugnis zustande gekommen ist, wollen die Veterinäre noch prüfen. Möglicherweise kommt da noch eine zusätzliche Klage auf den Händler wegen des illegalen Handels mit Arzneimitteln zu.

Das Tierheim in Mechernich steht vor Kosten in fünfstelliger Höhe. „Je nachdem, wie krank die Tiere sind, wird die tierärztliche Behandlung pro Tier zwischen 500 und 1000 Euro kosten“, so Dr. Weins. Die Kosten kann der Tierschutzverein in Mechernich nicht alleine schultern. Rainer Bauer sucht daher nach Sponsoren für die Welpen, auch Tierfutter wird gerne angenommen. Denn die 14 Malteser, sechs Labradors, vier Beagles, ein Mops und ein Jack-Russel-Terrier haben ständig Hunger. Und sie suchen immer noch nach der Wärme des Muttertiers. Die ehrenamtlichen Helferinnen Marianne Goldbach und Johanna Loosen kümmern sich unentwegt um die Tiere. Besonders die Malteser scheinen sehr zu leiden, denn sie kriechen wie ein Wollknäuel ineinander.

Marianne Goldbach lässt die Welpen nicht mehr allein. Den Damen hilft bei der Pflege der Welpen auch Friedhelm Lindemann aus Reetz. Der Rentner sucht Beschäftigung und putzt im Tierheim die Boxen, füttert die Alttiere und holt Futter herbei. Im Augenblick haben die drei Helfer einen Vollzeit-Job. Um die Kosten einigermaßen decken zu können hofft Rainer Bauer, die Welpen in einigen Wochen - dann geimpft und gesund - verkaufen zu können.

„Wer versucht, im Internet Hunde als Schnäppchen zu kaufen, für den habe ich kein Verständnis“, warnt Dr. Weins: Von solchen Geschäften solle man die Finger lassen. „Da muss man wissen, dass man schnell geprellt wird.“ Der Euskirchener Händler habe die Hunde für rund 500 Euro angeboten. Für einen Hund aus regulärer deutscher Zucht müsse man dagegen bis zu 2000 Euro auf den Tisch legen.

So viel haben allerdings inzwischen auch viele der Internet-Hundekäufer bezahlt. Nach dem Kauf sind viele der Welpen krank geworden, mussten vom Tierarzt behandelt werden und sind dann trotzdem verendet.



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