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Die Hüter der grauen Riesen

Von GABI BOSSLER, 27.02.08, 21:32h

Ming Jung lässt den Rüssel hängen, seine Augenlider sind auf Halbmast. Der kleine Elefant bekommt wohl demnächst Gesellschaft. Die Pfleger der grauen Riesen rechnen für April mit neuem Nachwuchs.

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Die Elefanten sind DIE Attraktion im Kölner Zoo.
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Die Elefanten sind DIE Attraktion im Kölner Zoo.
Ming Jung lässt den Rüssel hängen, seine Augenlider sind auf Halbmast. Müde steht der kleine, pummelige Elefant neben seiner mächtigen Mama in der Box. „Der hat den ganzen Tag gespielt“, sagt Brian Batstone schmunzelnd. „Gleich legt er sich auf den Heuberg und schläft sofort ein.“ Und dann steht Marlar daneben und wacht über seinen Schlaf. Batstone (58) ist Tierpfleger im Elefantenpark. Wie man mit den grauen Riesen umgeht, hat er in Sri Lanka von den Mahuts, den Elefantenmännern, gelernt. Gemeinsam mit seinem Chef Werner Naß (59), seit 39 Jahren Elefantenpfleger, betreut er die 13 asiatischen Elefanten im Zoo.

Die Herde steht draußen im Nieselregen, die Köpfe zusammengesteckt, die Jungtiere in der Mitte verborgen. Ein Kreis aus grauen Leibern. Eine Trutzburg. Der soziale Zusammenhalt unter Elefanten ist sehr groß, in frei lebenden Herden sind alle Tiere eng verwandt. „Es ist spannend, das Zusammenwachsen unserer Herde zu begleiten“, sagt Naß. „Und jedes Neugeborene wirbelt das System wieder durcheinander.“ Die Tiere werden im „geschützten Kontakt“ gehalten, die Pfleger betreten die Gehege nur, wenn sie draußen sind. Gewünschtes Verhalten üben sie mit viel Geduld und Belohnungen ein. So verhindern sie etwa, dass sich alle „Elefantentanten“ mit „ihrem“ Jungtier in eine Box zwängen.

Für sieben Pfleger und zwei Pflegerinnen beginnt der Arbeitstag um acht Uhr. Dann säubern sie die Halle und verteilen Futter im Gelände. Ab 11 dürfen die Tiere im Winter raus, vier Stunden später will Jungbulle San Raja wieder rein. Elefantenhaltung ist gefährlich, vor allem Bullen haben schon viele Pfleger verletzt oder getötet. Auch Naß ist schon mal „geflogen“ - nach dem Rüsselhieb einer Elefantendame: „Ich hab mich gefühlt wie ein Wattebäuschchen.“ „Geschützter Kontakt bedeutet aber nicht, dass wir die Tiere gar nicht anfassen. Die meisten sind mit Kontakt zu Menschen aufgezogen worden“, erklärt Batstone.

Beim täglichen Training lernen die Dickhäuter, nahe am Boxengitter zu stehen und mit dem Kopf oder Fuß das Ende eines Stabs zu berühren, während ihre Zehennägel geraspelt oder sie medizinisch versorgt werden. Das kann auch Marlar schon. „Ein Wonneproppen“, so Naß - aber manchmal auch schon eine gesetzte Elefantentante. Dann bewacht sie mit heiligem Ernst den Schlaf von Ming Jung. Und sie verteidigt den Kleinsten der Herde mit wütendem Trompeten sogar gegen den ruppigen Bullen Bintu. Trompeten, das tun Elefanten nur bei den ganz großen Gefühlen. Neben Gesten und Lauten nutzen sie Infraschall-Frequenzen, die für Menschen nicht hörbar sind. „Sprechen“ die Tiere, kann man das lediglich sehen - an einem Flattern der Haut oberhalb des Rüssels.

15 Uhr, jetzt ist Eile geboten, die Herde wartet vor dem Tor. Wenn der Zeitplan nicht eingehalten wird, werden die Tiere unruhig, und dann gibt es Streit. Eintracht herrscht dagegen bei Geburten. „Das ist eine Aufregung ohne Ende, jedes Herdenmitglied versucht, etwas zu machen“, schildert Batstone. Wenn es nötig ist, ziehen die Tanten die Fruchtblase auf oder helfen dem Jungtier beim Aufstehen. Und sie schirmen es von seiner schmerzgeplagten Mutter ab.

16 Uhr: Alle Tiere stehen in ihren Boxen. Von der meditativen Ruhe, die Elefanten meist verbreiten, ist nichts zu spüren. Sie sind aufgeregt und fordern ihr Futter. Marlar brüllt. Ohrenbetäubend. Das klingt wie Löwengebrüll, nur lauter. Sie will ihren Eimer mit Milch. Unterdessen werden Birkenäste und Heuballen in die Halle gebracht. „150 Kilo frisst ein Elefant jeden Tag - mindestens“, sagt Batstone, während ihm Tong Koon ihren Rüssel entgegenstreckt. Batstone spricht in leisem Singsang mit ihr, seine Bewegungen sind ruhig und konzentriert. „Elefanten sind mein Leben“, sagt er. Mit 62 will er aufhören und sich in Sri Lanka für den Schutz asiatischer Elefanten einsetzen, es gibt weltweit nur noch 4000 Tiere.

In Köln soll Shu Thu Zar ihr Junges Ende April zur Welt bringen. „Da müssen die Tanten wieder helfen“, sagt Batstone. Bei Herdengeburten können Menschen nichts ausrichten. Und dann haben er und Naß denselben Gedanken: „Am liebsten ist uns, wenn wir morgens kommen, und das Jungtier ist da. So soll es sein. So, wie draußen in der Natur.“



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