Von ISA VON BISMARCK-OSTEN, 06.03.08, 19:54h, aktualisiert 07.03.08, 12:30h
Zweite Fremdsprache schon in Klasse 6
So auch am Kaiserin-Theophanu-Gymnasium in Köln-Kalk. Bereits in der Unterstufe haben die Schüler seit der Reform bis zu drei Unterrichtsstunden in der Woche mehr als die Jahrgänge vor ihnen. Hatten die Stufen fünf bis sechs früher Unterricht bis 13.30 Uhr, sitzen die Zehn- bis Zwölfjährigen heute dagegen an drei Tagen in der Woche bis 14.25 Uhr in der Schule. Neu ist auch die Einführung der zweiten Fremdsprache in der sechsten Klasse.
Mit ihrer Kritik am „Turbo-Abi“ stehen die Mütter und Väter nicht allein. Auch Lehrer schließen sich an. „Das Land hat die Reform in Gang gebracht, ohne dass auf kommunaler Ebene die nötigen Strukturen geschaffen wurden“, sagt Monika Lindberg, Schulleiterin der Kaiserin-Theophanu-Schule. Vor allem die Mittagszeit sieht die Schulleiterin als Problem. Schließlich hätten die Schüler zwischen Vormittags- und Nachmittagsunterricht kaum 30 Minuten Zeit.
„Eine Stunde Pause halte ich für gut“, sagt Lindberg. Dann sollten die Schüler eine warme Mahlzeit, Hausaufgabenbetreuung und Spielmöglichkeiten erhalten. Dafür bedürfe es jedoch weiterer finanzieller und personeller Mittel. „Wir brauchen die Struktur einer Ganztagsschule“, so Lindberg.
Den meisten Kritikern geht es jedoch nur um die Umsetzung, an der Reform an sich will kaum einer rütteln. Auch nicht Barbara Kols-Teichmann von der Landeselternschaft der Gymnasien in NRW. Einen Qualitätsverlust erwartet sie nicht. Heute müssten die Schüler ein Unterrichtsvolumen von 265 Wochenstunden bis zum Abitur vorweisen. Die Zahl setzt sich aus den addierten Wochenstunden der acht Jahre zusammen.
Eltern reicht die Nachbesserung nicht
Dabei rechnet man je nach Jahrgangsstufe zwischen 30 und 35 Stunden pro Woche. Vor der Reform habe diese Zahl bei 272 Stunden gelegen. „Sieben lächerliche Stunden“, sagt Kols-Teichmann.. Die Kultusministerkonferenz hat gestern eine gewisse Flexibilität bei der Zahl der Wochenstunden zugestanden, die das Einrechnen von einigen Stunden Projektarbeit in die 265 Stunden ermöglicht. Den Eltern ist das aber längst nicht genug. Jetzt werde eine überhastete Entscheidung mühsam repariert, sagte der Vorsitzende des Bundeselternrates, Dieter Dornbusch. Barbara Kols-Teichmann von der Landelternschaft sieht weitere Mängel, aber auch Fortschritte. An dem „Maßnahmenpaket“ des Schulministeriums hat die Landeselternschaft mitgearbeitet. Danach sollen Fünft- und Sechstklässler nur einmal in der Woche bis 15.30 Uhr Unterricht haben, Siebt- und Achtklässler nur zwei Mal, zudem soll die Mittagspause länger sein. Und Aufgaben sollen an Tagen mit Nachmittagsunterricht nur für Fächer vergeben werden, die am nächsten Tag nicht auf dem Plan stehen.
Das alles ändert bislang nichts an der breiten Ablehnung des „Turbo-Abi“: 60 Prozent der Befragten sprachen sich gerade in einer Umfrage für die ARD grundsätzlich dagegen aus.
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22. April 2012,
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