Von IRMA WEINREICH, 12.03.08, 19:45h
Vielen ist Geschonneck noch heute als dämonischer Holländer-Michel in dem Märchen „Das kalte Herz“ (1950) in Erinnerung. Damals hatte ihn Bertolt Brecht schon ans Berliner Ensemble geholt. Für seinen letzten Film („Matulla und Busch“ 1995) wollte Geschonneck unbedingt eine komische Rolle, und sein Sohn Matti Geschonneck gab sie ihm.
Im Dezember 2006 wurde Geschonneck zum 100. Geburtstag mit einer großen Hommage in der Akademie der Künste geehrt. Den 101. Geburtstag beging er an der Seite seiner Frau. Die Jahre mit der 40 Jahre jüngeren Heike nannte er das „wahre Glück“ seines Lebens.
Weit über 100 Rollen in Film und Fernsehen sowie auf der Bühne hat er gespielt. Für den streitbaren Kommunisten war im Osten zwar nicht alles gut, aber ein Weggang in den Westen kam nicht in Frage. Immerhin wurde einer seiner bekanntesten Filme, „Jakob der Lügner“ von Frank Beyer (1974), als einziger Defa-Film für einen Oscar nominiert. Geschonneck wurde am 27. Dezember 1906 im ostpreußischen Bartenstein geboren. Aufgewachsen ist er im Berliner Proletarierviertel in der Ackerstraße in der Nähe vom Alexanderplatz.
Politisches Kino und Komödien
Der Jung-Kommunist Geschonneck flüchtete 1933 in die Sowjetunion. Nachdem ihn sein Zufluchtsland auswies, geriet er 1939 in Prag in die Fänge der Gestapo. Durch drei Konzentrationslager getrieben, überlebte er den Untergang der „Cap Arcona“, die mit Tausenden KZ-Häftlingen an Bord in der Lübecker Bucht sank. Diese Biografie prädestinierte ihn für Filme wie „Nackt unter Wölfen“ (1963), in dem KZ-Häftlinge in Buchenwald der SS die Stirn bieten. Der Mime wusste auch, was er nie verkörpern wollte: „Einen Kommunisten oder Antifaschisten, sauber und heroisch, wie es ihn im Leben nicht gab.“ Und ein positiver Held ist sein Schlitzohr „Karbid-Kalle“ in einer der schönsten Defa-Komödien „Karbid und Sauerampfer“ (1963) nicht gerade.
1993 erhielt der Schauspieler auch das Filmband in Gold der Bundesrepublik. Seine letzte Ruhe findet Erwin Geschonneck auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof, neben den Gräbern von Bertolt Brecht und Helene Weigel.
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22. April 2012,
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