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„Der Mix macht süchtig“

Von ANNA HAGEBUSCH, 16.03.08, 22:51h

Es ist dieses ganz bestimmte Geräusch, das Rollstuhlrugby-Neulinge am meisten beeindruckt: Jedes Mal, wenn die Spieler wieder mit halsbrecherischem Tempo aufeinander zurasen und...

Es ist dieses ganz bestimmte Geräusch, das Rollstuhlrugby-Neulinge am meisten beeindruckt: Jedes Mal, wenn die Spieler wieder mit halsbrecherischem Tempo aufeinander zurasen und ihre zerbeulten Sportgeräte dann plötzlich abrupt zum Stehen kommen, erklingt das dumpfe Scheppern. Ziemlich harte Kerle sind das, die in der Sporthalle der Gesamtschule Holweide am gestrigen Finaltag des Bernd-Best-Turniers um den Sieg in der höchsten Spielklasse kämpfen. Beim Anblick der muskulösen, oft großflächig tätowierten Oberarme, der zerfetzten Schutzhandschuhe und des Tempos, mit dem dieses Spiel gespielt wird, erklärt sich von selbst, warum es früher einmal „Murderball“ hieß.

Etwas weniger martialisch geht es in den anderen Spielklassen zu. Insgesamt vier davon gibt es, von der Basic bis zur Champions League. „Obwohl viele Spieler der höchsten Liga dieses Turnier sogar zur Vorbereitung auf die Paralympischen Spiele nutzen, liegt unser eigentlicher Fokus auf dem Breitensport“, erklärt Sandra Meinert vom Veranstaltungsteam. Das Konzept scheint aufzugehen: Im zehnten Jahr kann das Turnier einen Teilnehmerrekord verbuchen; 47 Teams aus 13 Ländern Europas und aus allen Ecken Deutschlands waren gemeldet, rund 350 ehrenamtliche Helfer standen ihnen zur Seite.

Die wachsende Beliebtheit der Sportart erklärt Sandra Meinert so: „Rollstuhlrugby ist der einzige Behindertensport, bei dem auch Menschen mit größeren Einschränkungen, etwa einer hohen Querschnittlähmung, mitspielen können.“ Und das ist ganz im Sinne des Namensgebers des Turniers: Bernd Best war Gründungsmitglied des Rollstuhlclubs Köln und in den Sechzigern ein Vorkämpfer für die Emanzipation und Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderung.

„Die Leute, die hier mitspielen, nehmen eine große Portion Selbstbewusstsein und ein Gefühl von Solidarität mit nach Hause,“ erklärt Sandra Meinert. Sie rät jedem Rollstuhlfahrer, das Spiel einfach einmal auszuprobieren: „Es sieht bescheuert aus, aber es macht unglaublich viel Spaß.“ Und der Stuttgarter Bundesligaspieler Frank Strobel ergänzt: „Es ist der perfekte Mix aus Autoscooter und Schach. Und der macht süchtig.“



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