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64 nationale Minderheiten

Erstellt 17.03.08, 22:50h, aktualisiert 19.03.08, 10:03h

Als strahlende Wirtschaftsgroßmacht wollte sich China 2008 präsentieren. Jetzt sind es Bilder der Gewalt, die um die Welt gehen. Statt in dem Konflikt mit tibetischen Separatisten den Dialog zu suchen und wenige Monate vor den Olympischen Spielen zu deeskalieren, setzt China auf Härte. Polizisten gehen gewaltsam gegen Demonstranten vor, die Klöster sind von Sicherheitsleuten umstellt und überall in Lhasa fahren Panzer durch die Straßen.

„China will das Teufelsfass der Autonomie-Bestrebungen nicht öffnen“, sagt Professor Eberhard Sandschneider, China-Experte der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik in Berlin. Zu sehr befürchte China Nachahmereffekte bei anderen Minderheiten. Insgesamt 64 nationale Minderheiten leben im Reich der Mitte, von denen 55 offiziell anerkannt sind. Mit 100 Millionen Menschen machen die Minderheiten jedoch nicht einmal zehn Prozent der Bevölkerung aus.

Uiguren fürchten

um ihre Tradition

Die Uiguren, von denen eine Mehrheit in dem Uigurischen Autonomen Gebiet Xinjiang im Nordwesten Chinas (siehe Karte) lebt, gehört zu den größten ethnischen Minderheiten des Landes. Seit Jahren kommt es zu Unruhen zwischen den Uiguren und den Han-Chinesen, den ethnisch ursprünglichen Chinesen. Unter dem Vorwand von Anti-Separatismus und Terrorismusbekämpfung, werde das Volk immer wieder religiösen Repressionen ausgesetzt, heißt es in einem Bericht der Organisation „Human Rights Watch“. Die Uiguren gehören dem sunnitischen Islam an.

Angesichts der Ansiedlung von mehr als 1,2 Millionen Chinesen in den vergangenen zehn Jahren fürchtet die muslimische Volksgruppe um ihre traditionelle Lebensweise. Wie auch in Tibet setzt das chinesische Politikbüro in Xinjiang auf eine Besiedlungspolitik, welche die Einheimischen langfristig zur Minderheit in ihrer Heimat macht. Die Mehrzahl der Uiguren wünscht sich mehr Autonomie, manche einen unabhängigen Staat. „Die politische Stabilität in Xianjiang ist alles andere als hoch“, sagt Sandschneider.

Auch in der Provinz Henan in der östlichen Mitte des Reiches kommt es zu Unruhen zwischen Han-Chinesen und der ethnischen Minderheit der Hui. Zwar ähneln die Hui-Chinesen in ihrer Kultur den Han-Chinesen, gehören aber dem muslimischen Glauben an. Im Oktober 2004 kam es zu blutigen Auseinandersetzungen, als die Hui gegen ein von der Zentralverwaltung durchgeführtes Staudammprojekt protestierten, das für viele Hui-Bauern eine Umsiedlung bedeutete. Die Polizei und das Militär beendeten die Proteste schließlich gewaltsam. (ivb)



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