Von NICOLE STÖTZEL und JAN WÖRDENWEBER, 01.04.08, 22:05h
Eine besondere Behandlung wird der 29-Jährigen aber nicht zuteil. „Wir werden sie nicht unter eine Glasglocke stellen. Sie weiß, worauf sie sich eingelassen hat“, betont Wachvorsteher Stephan Raphael. „Welpenschutz“ gab es nur in den ersten zwei Stunden. „Wenn wir die schützende Hand über sie hielten, würde sie dann umso tiefer fallen“, erklärt Uli Reuter. Der Wachabteilungsführer wurde ihr zur Seite gestellt und gibt Tipps in der Einarbeitungsphase. Ihr erster Einsatz als Zugführerin „war noch mit ein wenig Aufregung verbunden, klar“, sagt Krampe. Sie sitzt im Fahrzeug vorne rechts, muss den Weg finden, die Einsatzwagen vor Ort bestmöglich positionieren und die Lage peilen. Als Auswärtige fiel es ihr zu Beginn schwer, sich in Köln zurechtzufinden. Aber es sollte unbedingt eine Großstadt sein. „Da passiert mehr“, erklärt Krampe, die in Warendorf in Westfalen geboren wurde.
Kölns Feuerwehrchef Stephan Neuhoff begrüßte die 29-Jährige gestern offiziell als 3326. Mitglied in der Geschichte der Kölner Berufsfeuerwehr. 3325 waren seit 1872 alle männlich. Dass es nicht mehr Frauen gibt, liege unter anderem daran, dass die körperliche Leistungsfähigkeit von Männern generell höher sei und nur wenige Frauen ein Ingenieurstudium absolviert hätten. Genau dies ist Voraussetzung für einen Feuerwehrjob im gehobenen Dienst.
Die Berufsfeuerwehr in Ostheim ist zuständig für den Brandschutz in Kalk, Vingst und Ostheim und stellt zudem die Sondereinheit Gefahrengut. Einsätze mit vielen Schwerverletzten hat die Feuerwehrfrau noch nicht fahren müssen. „Mal schauen, wie ich so etwas verkrafte“, sagt die 29-Jährige. Einen Toten hat sie zuletzt am Montag gesehen. Es war nicht ihr erster. „Ob Mann oder Frau“, erklärt Reuter, „macht keinen Unterschied. Jeder geht mit solchen Situationen anders um.“
Ihre Familie traut ihr die Aufgaben zu. „Das passt zu dir“, wurde Krampe immer wieder gesagt. Dabei kam sie eher zufällig zu dem Beruf. Nach ihrem Bauingenieurstudium und einer Weiterbildung im IT-Bereich suchte sie in einer Jobbörse nach passenden Stellen. „Dort stand: Feuerwehr sucht Bauingenieure. Da bin ich neugierig geworden“, so Krampe. Die 18 Monate dauernde Ausbildung absolvierte sie beim Institut der Feuerwehr in Münster. Der Job sei sehr abwechslungsreich, man „weiß morgens nicht, was einen erwartet“.
Von ihren Kollegen sei sie positiv aufgenommen worden. „Es kamen natürlich viele Fragen, aber das ist ja okay“, meint die 29-Jährige. Ein Vorbild für andere möchte sie nicht sein, vielmehr will sie Frauen Mut machen, die sich bisher nicht getraut haben, in diese Männerdomäne einzudringen. Kleine Probleme geht sie gelassen an. So musste erst eine Firma gefunden werden, die Feuerwehrkleidung für eine Frau herstellt. So lange die Bestellung noch nicht eingetroffen ist, trägt sie Hemd statt Bluse und witzelt: „Absätze an den Stiefeln wären ja nicht schlecht.“ Darüber können auch die Kollegen lachen.
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