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„Die erste Hürde ist genommen“

Von CARSTEN SCHULTZ, 09.04.08, 20:02h

Königswinter - Der vergangene Dienstag war für Volker Wiedeck ein guter Tag. Mit 50 000 Euro auf dem Konto kann er nun die „Hannah-Stiftung gegen sexuelle Gewalt“ offiziell gründen. Wiedecks Tochter war im August 2007 missbraucht und ermordet worden.

KÖNIGSWINTER. Der vergangene Dienstag war für Volker Wiedeck ein guter Tag. An diesem Tag überschritt das Guthaben auf dem Konto mit der Nummer 110 039 28 17 die magische Grenze von 50 000 Euro. „Die erste Hürde ist genommen“, freut sich der 48-Jährige und weiß zugleich, dass jetzt die Arbeit eigentlich erst beginnt. Denn Wiedeck, Vater der im Sommer vorigen Jahres in Königswinter ermordeten Schülerin Hannah (14), kann nun die von ihm geplante „Hannah-Stiftung gegen sexuelle Gewalt“ offiziell gründen.

Als Hannah an diesem 29. August 2007 abends nicht nach Hause kam und fünf Tage später vergewaltigt und ermordet aufgefunden wurde, ging eine Welle der Anteilnahme durch die ganze Region. Dieses Mitfühlen mit der Familie, der urplötzlich unendlich schreckliches widerfuhr, hält bis heute an. Volker Wiedecks Idee jedenfalls, mit der Hannah-Stiftung Opfern sexueller Gewalt zu helfen, stößt bei den Menschen auf riesige Unterstützung. Männer, Frauen und Kinder haben in den vergangenen vier Wochen Kontakt zu ihm aufgenommen und Geld gespendet.

„Das ist für uns alle ein Stück weit eine Art der Aufarbeitung“, sagt Hannahs Vater. Die Menschen seien froh, endlich etwas tun zu können und in Zukunft mit der Stiftung vielleicht „Leid lindern oder sogar verhindern zu können.“ Dass der Fall seiner ermordeten Tochter die Menschen derart bewegt, liegt, davon ist der 48-Jährige überzeugt, auch an den veröffentlichten Fotos seiner Tochter. „Es ist Hannahs Ausstrahlung.“

Vor knapp fünf Wochen gingen Volker Wiedeck und seine Frau Heidi Michels-Wiedeck in einem Interview der Zeitschrift Emma erstmals an die Öffentlichkeit. Wenige Tage später sprach der 48-Jährige auch mit einigen anderen Medien, darunter die Rundschau, über die Idee einer „Hannah-Stiftung gegen sexuelle Gewalt“. Knapp 12 000 Euro hatten bis dahin Menschen auf dem Spendenkonto 110 039 28 17 gesammelt, um die Familie zu unterstützen. Doch die mochte und konnte dieses Geld nicht für sich nehmen, sondern wollte es als Grundstock für die Stiftung verwenden. Jetzt hat Wiedeck die notwendige 50 000-Euro-Grenze übersprungen. Damit kamen in nur knapp vier Wochen 40 000 Euro zusammen. „Das ist“, entfährt es dem selbst überraschten 48-Jährigen, „unglaublich viel Geld.“

Zusammen gekommen ist es durch große und kleine Spenden, gespendet wurde von großen und von kleinen Menschen. Ein achtjähriges Mädchen aus dem Freundeskreis etwa steckte, nachdem es seinen Kommuniongutschein teilweise eingelöst hatte, das verbliebene Geld in eine Sammelbüchse für die Hannah-Stiftung, erzählt Volker Wiedeck. „Selbst kleine Kinder machen sich Gedanken.“ Zwei Mädchen aus Hannahs Parallelklasse besorgten rund 40 Büchsen und stellten sie in Geschäften auf. „Die haben nicht viel gefragt, die haben einfach was gemacht.“ Einige evangelische Gemeinden sammelten in der Konfirmationskollekte für das Projekt, im Bungertshof wurden nach einem Konzert der BAP-Coverband MAM fast 600 Euro übergeben, am 16. Mai gibt es ein Benefizkonzert mit vier bis fünf Bands im Haus Lichtenberg, irgendwann im Herbst eines von MAM in der CJD-Schule. Und es geht über die Region hinaus: Die 14-jährige Tomke aus Berlin etwa ließ sich Info-Material über die Stiftung schicken.

Andere bieten Hilfe bei der Schreibarbeit, bei Organisation oder der Verwaltung der Stiftung an. Wieder andere arbeiten unentgeltlich an der Internet-Seite oder entwerfen das Logo für die Stiftung. Und wieder andere planen eine größere Aktion zum Jahrestag von Hannahs Tod, über die Wiedeck aber noch keine Einzelheiten verrät.

Er hat in den letzten vier, fünf Wochen allein etwa 400

E-Mails bekommen, schätzt der 48-Jährige. Darunter waren viele von Frauen und Töchtern, die selbst Opfer sexueller Gewalt waren. „Alle finden es positiv, dass etwas unternommen wird, dass es zum Thema gemacht und die Initiative ergriffen wird“, sagt Volker Wiedeck.

Er will weiter Geld sammeln und strebt vielleicht 150 000 bis 200 000 Euro an, um aus den Erträgen der Stiftung Präventionsarbeit finanzieren zu können. Wenn die „Hannah-Stiftung“ steht, will er größere Unternehmen in der Region ansprechen. Einen Förderverein hat er gerade gegründet, um auch selbst Spendenbescheinigungen ausstellen zu können (bisher lief das über das CJD, Hannahs Schule).

Inzwischen investiert Volker Wiedeck - neben seiner Arbeit als Heilpädagoge - viel Zeit in das Projekt der „Hannah-Stiftung gegen sexuelle Gewalt“. Wie viel genau, das weiß er nicht zu sagen. Aber. „Dass Hannah fehlt, ist permanent präsent. Und diese Zeit will ich ausfüllen und etwas tun, nicht herumsitzen.“



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