Erstellt 09.04.08, 19:18h
Frau Ofarim, sprechen wir weniger über gestern als über die Gegenwart. Ihre letzte CD ist ein Konzertmitschnitt von 2003. Warum gibt es von Ihnen keine aktuelle Musik?
Was nennen Sie aktuell? Wenn Sie neue Aufnahmen meinen, nun, dann ist 2003 für mich so wie gestern. Dieser Rhythmus - jedes Jahr eine neue Platte - das ist nicht mein Ding.
Aber gibt es nicht auch mittlerweile neu entdeckte Lieder, die Sie gerne aufnehmen wollen?
Ich glaube, dass ich alles, was für mich von Bedeutung ist, bereits aufgenommen habe. Die Kurt Weill-Songs etwa. Sie sind allerdings ganz anders heute, meine Stimme hat sich gewandelt, ich als Person und Künstlerin natürlich auch. Es gibt nicht mehr diese jungfräuliche Esther Ofarim, ich stehe heute für viel mehr Emotionen als früher. Ich habe auch keine Scheu mehr, Verletzlichkeit zu zeigen. Außerdem: Jedes Mal, wenn ich ein Lied singe, ist es für mich wie ein neues Lied.
Gibt es zeitgenössische Künstler, die Sie schätzen?
Rufus Wainwright ist im Moment mein Lieblingssänger, aber das heißt nicht, dass ich seine Songs interpretieren möchte. Das ist schon eine andere Welt und ehrlich gesagt, ich habe nicht mehr so viel Zeit, um mich zu erneuern.
In welcher Gesangstradition sehen Sie sich selbst?
Meine musikalischen Wurzeln liegen natürlich da, wo ich aufgewachsen bin, in Israel. Sie haben sich jedoch ausgebreitet. Ich habe die restliche Welt in 50 Jahren gesehen, sie gerochen, geschmeckt, gefühlt, gelebt. Aber ich liebe immer noch die hebräischen Lieder.
Immer noch fällt die ungeheure Kraft Ihrer Stimme auf. Bei heutigen Interpreten hat man oft den Eindruck, als sei die Stimme das schwächste Glied in der musikalischen Kette.
Ja, das ist traurig, aber es tut mir Leid, ich bin nicht in dieser Popwelt zuhause, was natürlich die Frage aufwirft, wofür steht die Ofarim eigentlich: macht sie Jazz, Rock, Folk? In dieser Ambivalenz fühle ich mich eigentlich ganz wohl.
Das deutsche Publikum war Ihnen immer besonders wohlgesonnen, woran liegt das?
Ich weiß es immer noch nicht. Ich hoffe nur, dass es nicht damit zu tun hatte, dass ich Jüdin bin, ich glaube eher, die Leute haben in mir einfach nur das schöne Mädchen mit den großen Augen gesehen.
Im März 1969 gaben Sie in Köln das letzte gemeinsame Konzert mit Abi. Erinnern Sie sich?
Nein, ich weiß beim besten Willen nicht mehr, wo wir da aufgetreten sind. Aber eins weiß ich genau, dass ich nämlich seit dieser Zeit nicht mehr in Köln gesungen habe, und deshalb ist das Kölner Konzert ein ganz besonderes, auf das ich mich sehr freue.
Kölner Auftritt: Montag, 14. April, 20 Uhr, Theater im Tanzbrunnen. Karten über KölnTicket (0221) 2801.
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