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Parkinson ist lange gut behandelbar

Erstellt 11.04.08, 20:04h

Anlässlich des Welt-Parkinson-Tages am 11. April beantworteten Experten am Rundschau-Telefon Leserfragen über das Nervenleiden, das zum typischen, ständigen Zittern des Körpers führt. Hier eine Zusammenfassung.

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Ottfried Fischer ist an Parkinson erkrankt.
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Ottfried Fischer ist an Parkinson erkrankt.
Anlässlich des gestrigen Welt-Parkinson-Tages beantworteten Experten am Rundschau-Telefon Leserfragen. Hier eine Zusammenfassung.

Können auch junge Menschen an Parkinson erkranken?

Parkinson tritt meist zwischen dem 55. und 65. Lebensjahr auf (eins zu hundert), bei den 80-Jährigen sind es etwa drei Prozent. Dennoch: Jeder zehnte Patient erkrankt vor seinem 40. Geburtstag.

Was sind frühe Anzeichen?

Typisch für das idiopathische Parkinson-Syndrom ist, dass die Symptomatik zunächst einseitig auftritt. Es kann zu einer diskreten Steifigkeit im Bereich von Schulter oder Hand kommen, zum Zittern einer Hand im Ruhezustand oder einer starren Mimik. In diesem Frühstadium werden die Anzeichen oft fehlinterpretiert, die Patienten zum Orthopäden oder Psychiater geschickt. Das verzögert den Beginn der eigentlichen Therapie.

Meine Hände zittern. Habe ich Parkinson?

Eine Reihe von Erkrankungen führt zu Zittern. Es sollte immer neurologisch geklärt werden, da es für die verschiedenen Ursachen spezifische Behandlungsmöglichkeiten gibt.

Wie wird Parkinson diagnostiziert?

Zunächst ist es wichtig, in der Differentialdiagnostik vorhandene Symptome von anderen Erkrankungen abzugrenzen. Also: Handelt es sich bei der Steifigkeit um eine rheumatische Erkrankung, bei der starren Mimik um eine Depression, oder steckt Parkinson dahinter? Danach muss der Arzt herausfinden, ob ein typisches oder atypisches Parkinson-Syndrom vorliegt. Zum Beispiel Stürze zu Beginn der Erkrankung oder eine rasche Verschlechterung des Zustands deuten eher auf ein atypisches Parkinson-Syndrom hin, ein gutes Ansprechen auf L-Dopa-Präparate dagegen auf ein typisches. Im Zweifel können sogenannte SPECT- oder PET-Untersuchungen weiterhelfen.

Muss man schon im Frühstadium Medikamente nehmen?

Dazu gibt es keine einhellige Meinung. Verschiedene Studien legen aber nahe, dass eine frühe Behandlung den Krankheitsverlauf günstig beeinflussen kann.

Wie wirken die Medikamente ?

Hauptproblem bei Parkinson ist der Mangel an Dopamin. Der Wirkstoff L-Dopa wird im Gehirn zu Dopamin umgewandelt, führt aber leider oft nach wenigen Jahren zu Überbewegungen oder Phasen der Unterbeweglichkeit. Deswegen werden jüngere Patienten meist mit Dopaminagonisten behandelt. Im Frühstadium ist eine neue Substanz in den Fokus geraten, die eventuell den Verlauf erheblich verlangsamt: Rasagilin, ein MAO-B-Hemmer. Leider ist der Wirkstoff nicht für alle Patienten geeignet, da es zu Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten kommen kann. Daneben gibt es noch andere Medikamente. Wichtig: Die Behandlung sollte immer individuell an den Krankheitsverlauf angepasst werden.

Macht ein Parkinson-Pflaster Tabletten überflüssig?

Der Wirkstoff in dem Parkinson-Pflaster gehört zu den Dopaminagonisten, die bei Patienten unter 70 Jahren als Einzeltherapie eingesetzt werden. Also kann in den ersten Jahren das Pflaster allein durchaus reichen. Bei Patienten über 70 und im fortgeschrittenen Krankheitsstadium werden andere Wirkstoffgruppen eingesetzt.

Gibt es Begleittherapien?

In der Krankengymnastik werden die Beweglichkeit trainiert, eine Gang- und Gleichgewichtsschulung durchgeführt und Gehhilfen angepasst. Die Logopädie widmet sich dem Sprechtraining, Diagnose und Behandlung von Schluckstörungen. In der Ergotherapie werden Alltagsfähigkeiten trainiert, um die Selbstständigkeit möglichst lange zu erhalten. Die Heilmittelrichtlinien sehen diese Therapien für Betroffene vor. Im Zweifel sollten Sie also darauf bestehen.

Kommt eine Operation für alle Patienten infrage?

Nein, nur wenn keine Konzentrations- und Gedächtnisstörungen vorliegen und Medikamente noch gut wirken oder in der Vergangenheit gut gewirkt haben. Bei Patienten mit einem schweren Tremor kann die Lebensqualität durch eine Operation zum Teil dramatisch verbessert werden. Wir untersuchen in einer deutsch-französischen Studie derzeit, ob eine Operation in einem relativ frühen Stadium sinnvoll ist oder besser weiter medikamentös behandelt wird.

Wo finde ich Kontakt zu anderen Betroffenen?

Die Deutsche Parkinson Vereinigung (dPV) kümmert sich um die Belange von Patienten und Angehörigen. Hier finden Sie auch Adressen und Ansprechpartner lokaler Selbsthilfegruppen. Bei unserem Parkinson-Info-Telefon erhalten Sie unter 018 05-19 19 09 (14 Cent / Min.) aus dem Festnetz der Telekom rund um die Uhr Hilfe. Sie finden die dPV im Internet unter  www parkinson-vereinigung.de.

Habe ich Anspruch auf Rehamaßnahmen, um möglichst lange im Beruf zu bleiben?

Ja, Ihre Krankenkasse nennt Ihnen den Reha-Träger, der für die Durchführung und Abwicklung verantwortlich ist.

Bei mir wurde gerade Parkinson festgestellt, aber mein Neurologe will mir noch keine Medikamente verschreiben. Er meint, sie wirkten nur einige Jahren.

Das ist so nicht richtig. Parkinson kann man über Jahre gut behandeln. Jüngere Erkrankte werden im Frühstadium aber nicht sofort mit L-Dopa behandelt, da nach einigen Jahren Schwankungen der Beweglichkeit auftreten können. Es gibt aber andere Medikamente, die im Frühstadium gut gegeben werden können.



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