Von THOMAS LINDEN, 17.04.08, 21:46h
Vor allem das männliche Publikum zwischen 15 und 25 Jahren bleibt weg, „weil es mit Videospielen beschäftigt ist“, erklärt Kulturwissenschaftlerin Regina Bittner. „Nur wenn es gelingt, das junge männliche Publikum ins Kino zu bekommen, gibt es eine Zukunft, sonst wird das Kino bald tot sein“, ergänzt der Medienwissenschaftler Gundolf S. Freyermuth. Er bekennt, dass seine „gelungenen Kinoerlebnisse“ mehr als 15 Jahre zurück liegen. Computer und Handy sind für ihn digitale Geräte, die „nicht einsam machen“, sondern einfach den Kommunikationsraum erweitern. Fasziniert beschreibt er, wie junge Kinobesucher gleich das Handy zücken, sobald ihnen ein Film im Kino zu langweilig erscheint.
Dass „die Konzentration auf eine Sache ein Stück Lebensqualität darstellt“, wie Schauspieler Joachim Król meint, scheint da schon fast eine generationsabhängige Feststellung zu sein. Einig ist man sich aber darüber, dass Kino einen stärkeren Event-Charakter besitzen muss, um neben dem umfangreichen digitalen Angebot bestehen zu können.
In Köln ist derweil die Kinolandschaft in den letzten Jahren um 18 Leinwände ärmer geworden. Auch ein Grund für Konrad Peschen von der Stabsstelle für Medien der Stadt Köln einen Kinobetrieb im alten Rautenstrauch-Joest-Museum am Ubierring „sympathisch“ zu finden.
Die Betreiber des Odeon vernahmen solche Äußerungen zu einer möglichen Konkurrenz allerdings gar nicht gerne. Sie verweisen auf ihre seit Jahren äußerst schwierige Geschäftssituation angesichts des unabsehbar andauernden U-Bahn-Baus auf der benachbarten Severinstraße.
Filmproduzent Tom Spieß setzte denn auch gleich nach, indem er daran erinnerte, dass ein Kommunales Kino eines erheblichen Kostenaufwands bedarf, weil es sich kontinuierlich der Geschichte des Films und unkommerziellen Werken widmen müsste.
Fazit: Das Kino wird es zukünftig in einer veränderten Freizeitlandschaft noch schwerer haben, und die Ambitionen der Stadt Köln im Kinobereich bleiben vage.
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22. April 2012,
E-Werk Köln