Von CHRISTIANE WORRING, 09.02.09, 17:41h
Europaweite Stiftung gegründet
Um betroffene Familien zu unterstützen, hat sich jetzt in München eine gemeinnützige Stiftung gegründet: die „European Foundation for the Care of newborn Infants“, kurz EFCNI. Denn neben der Sorge um das Frühchen und Problemen etwa mit Geschwisterkindern, haben die Eltern eine hohe finanzielle Belastung zu tragen. Viele Behandlungen, die als Folge der Frühgeburt zur optimalen Entwicklung des Kindes notwendig sind, werden von den Krankenkassen nicht bezahlt.
In einer Studie hat die Stiftung herausgefunden, dass Eltern von Frühchen, die acht oder mehr Wochen vor dem errechneten Geburtstermin zur Welt kommen, bis zu deren fünften Geburtstag durchschnittlich 6613 Euro für besondere Therapien, Medikamente, Betreuung oder Fahrtkosten ausgeben müssen.
Mehr als fünftausend Kilometer legen sie in dieser Zeit durchschnittlich mit dem Auto zurück, um ihr Kind zu Untersuchungen zu fahren oder es im Krankenhaus zu besuchen. Auch sind viele Eltern mit Problemen am Arbeitsplatz konfrontiert: Wie die Studie ergab, müssen betroffene Eltern häufig unbezahlten Urlaub in Kauf nehmen, um ihr Kind optimal versorgen zu lassen. In einigen Fällen habe die angespannte Lage sogar zu Gehaltskürzungen und Entlassungen geführt. Auch die Betreuungskosten der Geschwisterkinder während der Behandlung des Frühchens fallen mit 450 Euro in den ersten beiden Lebensjahren ins Gewicht.
Sehr häufig, so die Stiftung, gingen die Belastungen in der Familie auch noch über das Einschulungsalter hinaus. Fast 40 Prozent der Kinder, die vor der 32. Schwangerschaftswoche geboren wurden, werden später eingeschult oder haben Lernprobleme. Jedes sechste Kind leidet unter Lese- und Rechtschreibschwäche, Rechenschwäche oder Integrationsproblemen, 45 Prozent der frühgeborenen Kinder besuchen im Alter zwischen sechs und zehn Jahren eine Sonderschule oder einen anderen besonderen Schultyp wie beispielsweise Förderschulen oder Waldorfschulen.
Der größte Kostenblock, den die Eltern selber tragen müssen, sind die Therapiekosten. In den ersten beiden Lebensjahren nimmt ein frühgeborenes Kind rund 90 Therapiestunden in Anspruch. Sehschwächen, Fütterungs- und Motorikstörungen gehören zu den häufigsten Beschwerden. Dazu kommen Muskelschwächen oder Sprachentwicklungsstörungen. Drei Viertel der Frühchen benötigen Physiotherapie, 40 Prozent gehen zur Ergotherapie und ein Drittel zur Logopädie. Etwa 1180 Euro bezahlen die Eltern dafür aus eigener Tasche.
„Mit diesen Zahlen wollen wir auf die Probleme in den betroffenen Familien hinweisen“, sagt Petra Schönhofer, die das Projekt betreut hat. „Das Leid und die emotionalen Belastungen in der Familie lassen sich ja schwer in Worte fassen. Die Kosten aber schon.“ Informationen über die Arbeit der Stiftung finden Betroffene im Internet.
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04. März 2012,
E-Werk Köln
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