Von DIETER KRANTZ, 30.04.08, 19:03h, aktualisiert 05.05.08, 21:35h
Die psychischen Probleme des jungen Mannes waren bekannt: 2006 war er festgenommen worden, nachdem er seine Freundin umgebracht hatte. Damals, so Müller-Piepenkötter, habe er auch versucht, sich selbst zu töten. Nach der Inhaftierung habe er zunächst ein Jahr im Haftkrankenhaus Fröndenberg verbracht, danach eine Zeit in Heinsberg und schließlich in Siegburg. Dabei sei er stets in psychologischer und psychiatrischer Behandlung gewesen; ein letztes derartiges Gespräch habe es am 21. April gegeben - ohne Hinweise auf eine akute Selbstmordgefahr.
Die beiden toten Häftlinge könnten sich gekannt haben, sagte Anstaltsleiter Wolfgang Klein; „das können wir nicht ausschließen“. Näher befreundet aber seien die zwei, die im gleichen Hafthaus 1 einsaßen, nicht gewesen. Gleichwohl liefen schon gestern große Anstrengungen an, um eine mögliche Serie von Selbsttötungen zu vermeiden. „Wir kennen aus der Psychiatrie die Gefahr von Nachahmungshandlungen“, sagte die Ministerin. Um dem zu begegnen, wird das Fachpersonal verstärkt: Der psychologische Dienst wird befristet um vier Mitarbeiter aufgestockt, bereits unterwegs nach Siegburg war gestern Nachmittag eine Gruppe von fünf Spezialisten aus Bielefeld und Geldern, um, so Müller-Piepenkötter, ähnlich wie Notfallseelsorger „die Belastung für Häftlinge und Angestellte aufzuarbeiten.“ Und das so lange, wie sie es selbst für notwendig halten.
Der Abschiedsbrief lasse erkennen, dass der junge Mann unter der Haft gelitten habe, berichtete die Ministerin, doch nicht besonders unter den Bedingungen in Siegburg. Im Gegenteil habe er sogar geschrieben: „Das wäre in jeder JVA passiert.“ Was sich mit den Erkenntnissen der Ministerin nach ihrem gestrigen Besuch und Gesprächen deckt: „Was wir tun, soll eine Selbstmordserie verhindern. Wir haben keine Dinge gefunden, die grundsätzlich geändert werden müssen.“
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