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Angst vor Serie nach zweitem Selbstmord

Von DIETER KRANTZ, 30.04.08, 19:03h, aktualisiert 05.05.08, 21:35h

Wie schon ein 19-Jähriger am Sonntag hat sich nun ein 20-jähriger Häftling in seiner Zelle der JVA in Siegburg erhängt. Die psychischen Probleme des jungen Mannes, der seine Freundin ermordet hatte, waren lange vorher bekannt.

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Die JVA in Siegburg.
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Die JVA in Siegburg.
Siegburg - Irgendwann musste es passieren, hatte der junge Mann an seine Mutter geschrieben, bevor er sich umbrachte. „Jetzt ist es soweit“. Seit seinem zwölften Lebensjahr, so deutete er an, habe er Probleme mit seinem Leben. Doch die ersten, die den Abschiedsbrief lasen, waren Beschäftigte der Siegburger Justizvollzugsanstalt: Sie fanden den 20-Jährigen gestern gegen 6 Uhr tot in seiner Einzelzelle. Wie schon ein 19-Jähriger am vergangenen Sonntag habe sich auch der 20-Jährige erhängt, teilte NRW-Justizministerin Roswitha Müller-Piepenkötter bei einer Pressekonferenz im Siegburger Gefängnis mit. Anhaltspunkte für ein Fremdverschulden hätten die sofort eingeleiteten Ermittlungen von Staatsanwaltschaft und Rechtsmediziner auch diesmal nicht ergeben.

Die psychischen Probleme des jungen Mannes waren bekannt: 2006 war er festgenommen worden, nachdem er seine Freundin umgebracht hatte. Damals, so Müller-Piepenkötter, habe er auch versucht, sich selbst zu töten. Nach der Inhaftierung habe er zunächst ein Jahr im Haftkrankenhaus Fröndenberg verbracht, danach eine Zeit in Heinsberg und schließlich in Siegburg. Dabei sei er stets in psychologischer und psychiatrischer Behandlung gewesen; ein letztes derartiges Gespräch habe es am 21. April gegeben - ohne Hinweise auf eine akute Selbstmordgefahr.

Die beiden toten Häftlinge könnten sich gekannt haben, sagte Anstaltsleiter Wolfgang Klein; „das können wir nicht ausschließen“. Näher befreundet aber seien die zwei, die im gleichen Hafthaus 1 einsaßen, nicht gewesen. Gleichwohl liefen schon gestern große Anstrengungen an, um eine mögliche Serie von Selbsttötungen zu vermeiden. „Wir kennen aus der Psychiatrie die Gefahr von Nachahmungshandlungen“, sagte die Ministerin. Um dem zu begegnen, wird das Fachpersonal verstärkt: Der psychologische Dienst wird befristet um vier Mitarbeiter aufgestockt, bereits unterwegs nach Siegburg war gestern Nachmittag eine Gruppe von fünf Spezialisten aus Bielefeld und Geldern, um, so Müller-Piepenkötter, ähnlich wie Notfallseelsorger „die Belastung für Häftlinge und Angestellte aufzuarbeiten.“ Und das so lange, wie sie es selbst für notwendig halten.

Der Abschiedsbrief lasse erkennen, dass der junge Mann unter der Haft gelitten habe, berichtete die Ministerin, doch nicht besonders unter den Bedingungen in Siegburg. Im Gegenteil habe er sogar geschrieben: „Das wäre in jeder JVA passiert.“ Was sich mit den Erkenntnissen der Ministerin nach ihrem gestrigen Besuch und Gesprächen deckt: „Was wir tun, soll eine Selbstmordserie verhindern. Wir haben keine Dinge gefunden, die grundsätzlich geändert werden müssen.“



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