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Verrückte Bastler

Von JULIANE MROZ, 16.05.08, 21:10h

Daniel Düsentrieb würde sich ins Fäustchen lachen: Tüfteln, Basteln und Selbermachen bekommt durchs Internet neuen Auftrieb. Für „Do-it-yourself“-Fans gibt es dort jede Menge Seiten mit kostenlosen Bau- und Basteltipps.

Daniel Düsentrieb würde sich ins Fäustchen lachen: Tüfteln, Basteln und Selbermachen bekommt durchs Internet neuen Auftrieb. Für „Do-it-yourself“-Fans gibt es dort jede Menge Seiten mit kostenlosen Bau- und Basteltipps.

bauanleitungen.net

Hier stellt Thomas Bauch aus Aachen Anleitungen vor und verlinkt sie. Wer schon immer ein eigenes EKG-Gerät haben wollte oder Spaß an einem Mini-Roboter in Form eines Zahnbürstenkopfes hat, wird hier fündig. Auch für den Bau eines kleinen Heißluftballons oder eines Tischkickers und sogar für ein selbstgemachtes Surfbrett hat Bauch Anleitungen parat. Wer den Links aus seiner Sammlung folgt, stößt bald auf englischsprachige Angebote. Das liegt daran, dass die meisten Anleitungen für Tüftler und Bastler zur Zeit aus dem englischsprachigen Raum kommen. Dort gibt es einige große Online-Communities für Menschen, die gerne mit Lötkolben und Zange hantieren, ihre eigene Kleidung nähen, die Küche zum Chemielabor umfunktionieren oder auf irgendeine andere Art kreativ sind.

de.wikiants.org

Mal was anderes als Heimwerkerseiten im Baumarkt-Stil. In der 2007 von einer Luzerner Non-Profit-Organisation gegründeten Enzyklopädie darf jeder seine Eigenbau-Projekte vorstellen. Bedingung: Die Anleitungen und die Ideen dahinter dürfen ohne Lizenzgebühr weiterverwendet werden. Die meisten der Einträge, die bisher bei Wikiants zu finden sind, verlinken auf andere Seiten wie beispielsweise Youtube, wo Surfer dann die Anleitung finden. Die Auswahl ist noch recht klein und reicht vom selbstgebrauten Bier über alternative Energieerzeugung und -speicherung bis zum selbstgebauten Beamer. Unter dem Stichpunkt „Fahrrad mit Düsenantrieb“ gibt es bei Wikiants zwei Videos eines Raketenfahrrads in Aktion - aber ohne Anleitung. Vermutlich war den Erfindern klar, dass ein solches Geschoss nicht unbedingt zur Nachahmung empfohlen werden sollte.

fingers-welt.de

Darin geht es ähnlich wild zu. Thomas Bauch empfiehlt den Link mit den Worten „Total durchgeknallter Bastler im Automatisierungswahn“ und trifft damit den Nagel auf den Kopf. Denn die Ideen des Tüftlers, der sich nur „Finger“ nennt, sind abgedreht, oft kompliziert und lassen Bastelanfänger mit den Ohren schlackern. Finger baut etwa eine zentrale Staubsaugeranlage in sein Haus ein, dokumentiert die Entstehung mit Bildern und Texten und stellt für Nachahmer Schaltpläne und Programmcode zur Verfügung. Weil Finger keine Lust zum Blumengießen hat, konstruiert er eine Bewässerungsanlage. Fürs Baby baut der Tüftler eine „Wohlfühlmaschine“, die den Nachwuchs sanft in den Schlaf schaukelt - auch dafür gibt es Schaltplan und Quellcode.

instructables.com

Wer an Fingers verrückten Tüfteleien Spaß hat, dem könnte auch Eric Wilhelms Projekt gefallen. Seit Instructables im Jahr 2005 im US-amerikanischen Emeryville gestartet wurde, haben Nutzer dort jede Menge Beiträge veröffentlicht. Vom selbstgemachten Recyclingpapier über den Rollstuhl für hüftlahme Dackel bis hin zur gruseligen Skeletthand aus alten Schrauben und Muttern gibt es Nützliches oder Lustiges zum Selbermachen. Die Beiträge sind nach Kategorien wie „Kunst“, „ökologisch“ und „Kinder“ geordnet, in der Regel reichlich bebildert und können von anderen Community-Mitgliedern kommentiert werden. Etwa, wenn jemandem eine Anleitung unlogisch erscheint oder das Produkt gefährlich sein könnte.

ikeahacker.blogspot

Auch die Seite http: / / ikeahacker.blogspot.com, deren Betreiberin unter dem Namen „Jules“ agiert, lebt von ihrer Community. Die Nutzer zeigen, wie sie aus den Produkten des schwedischen Möbelhauses individuelle Möbel und Accessoires basteln. Da wird aus einer Kindertagesdecke eine Jacke geschneidert, eine Schildkröte bekommt aus einem Fernsehschränkchen einen neuen Käfig, ein Holzregal wird zum zusammenklappbaren Schreibtisch.

Ein ähnliches Angebot gab es auch in deutscher Sprache. Im Sommer 2007 verwarnte der Möbelkonzern den Betreiber Thomas Meyer, weil dessen Blog laut Ikea-Sprecher Kai Hartmann „den Anschein erweckte, eine offizielle, von Ikea betriebene Website zu sein“. Der Konzern wolle zudem nicht verantwortlich sein, wenn veränderte Möbel zum Sicherheitsrisiko werden. Meyer nahm sein Blog vom Netz. Wer Möbel „hacken“ will und Inspiration sucht, muss wieder auf die englischsprachige Seite zurückgreifen.



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