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„Und ich weiß, Du bist immer noch hier...“

Von TORSTEN PELKA, 19.05.08, 07:18h

Plötzlich waren die Emotionen wieder da, die nach jenem schrecklichen Tag im letzten Sommer dieses ganz besondere „Wir“-Gefühl in Königswinter schufen: Erschütterung,...

KÖNIGSWINTER-HEISTERBACHERROTT. Plötzlich waren die Emotionen wieder da, die nach jenem schrecklichen Tag im letzten Sommer dieses ganz besondere „Wir“-Gefühl in Königswinter schufen: Erschütterung, Trauer, Zorn, Machtlosigkeit und die Überzeugung, dass so etwas nie wieder passieren darf: „Bist wieder da, mir so unendlich nah. Und ich weiß, Du bist immer noch hier&“ Beim Refrain von „Nie vergessen“, des nur für diesen Abend beim Benefizkonzert für die „Hannah-Stiftung gegen sexuelle Gewalt“ im ausverkauften Saal Lichtenberg geschriebenen Liedes kam zögernd erst ein Arm hoch, dann noch einer - bis die Zuschauer im Takt der Musik ihre Arme hin- und her bewegten. Aber darf denn Party gemacht werden, wenn es eigentlich um ein derart erschütterndes Ereignis geht? Jamina Benjak (18) aus Thomasberg meinte dazu: „Einen schönen Abend zu haben ist o.k., aber wir dürfen nicht vergessen, worum es eigentlich geht.“

Mit dem Benefizkonzert hatte sich das Team um Initiator Martin Roelver einiges vorgenommen. „Wir wollen einfach nur helfen“, erklärte Roelver. Mit der „Hannah-Stiftung gegen sexuelle Gewalt“ versucht der Vater Wolker Wiedeck der im August 2007 ermordeten 14-jährigen Hannah, Opfern zu helfen und Präventionsarbeit zu fördern (wir berichteten). Die für eine Stiftung nötigen 50 000 Euro kamen in unglaublich kurzer Zeit zusammen, aber damit eine Stiftung auch wirklich arbeiten kann, ist mehr Geld nötig. „Mit 50 000 Euro kommt die Stiftung nicht wirklich weit“ so Roelver. Und das Fantastische, so findet Rolever: „Alle Kosten sind durch Sponsoren gedeckt - wir können nicht nur den Erlös an die Stiftung überweisen, sondern jeden Cent, der heute in die Kasse kommt.“

Waren schon damals nach dem Verbrechen Begriffe wie „Solidarität“ und „Miteinander“ gelebt worden, so auch an diesem Abend: Jung und alt, Erwachsene und Jugendliche - alle erinnerten sich gemeinsam der sympathischen Schülerin. Wie eine Besucherin meinte: „Wir sind hier, weil wir ein Zeichen setzen wollen. Wir können nicht verhindern, dass so etwas Grauenvolles noch mal passiert, aber wir wollen tun, was wir tun können.“

Genau das taten auf ihre Weise auch die Bands: „Kharysmah“ , „Raubwal“, „andernfalls“, „Fairytale“ und zum Schluss „stimmt so“ rockten Heisterbacherrott zwischen Bässen bis in die Magengrube und poppigem Gitarrensound. Aber bei aller Power schienen die Bands irgendwie zumindest musikalisch die Handbremse angezogen zu haben. Nicht, dass es nicht fetzig und nicht zuletzt bei „Fairytale“ mit hartem, druckvollem Sound bis in die Haarspitzen zur Sache ging. Aber darauf kam es gar nicht an: Viel wurde da von Gefühlen gesungen, schien immer die Erinnerung mitzuspielen an etwas, das die Menschen in tiefste Erschütterung versetzt hatte und immer noch versetzt. Bürgermeister Peter Wirtz meinte schlicht: „Ich bin nur halb als Bürgermeister hier, sondern vor allem als persönlicher Freund von Volker Wiedeck.“

Einer war sogar aus Berlin gekommen, Kay Calenius von der „Kinderschutzgruppe Carolin“. 2005 war Carolin nach genau dem Tat-Schema umgebracht worden wie Hannah, danach hatte sich die Kinderschutzgruppe gegründet. Zufällig, erinnerte sich Calenius, seien sie damals durch Königswinter gekommen, hätten angehalten, versucht den Menschen in ihrem Leid zu helfen. „Für mich war es Ehrensache, zu diesem Konzert zu kommen“, meinte Calenius.

Das Gefühl, das am Samstagabend in Heisterbacherrott fast spürbar im Raum stand, beschreibt wohl am besten ein Zitat von Volker Wiedeck: „Das Negative darf nicht siegen.“



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