Schriftgröße

Komatrinker auf dem Vormarsch

Von STEFAN KEGEL, 05.05.08, 18:17h, aktualisiert 05.05.08, 19:57h

Jeder vierte Jugendliche säuft regelmäßig bis zum Umfallen, viele müssen mit Alkoholvergiftung ins Krankenhaus gebracht werden. Doch auch Positives konnte die Drogenbeauftragte der Bundesregierung vermelden.

BILD: dpa
Bild vergrößern
Immer mehr Kinder und Jugendliche greifen schon in jungen Jahren zur Flasche.
BILD: dpa
Bild verkleinern
Immer mehr Kinder und Jugendliche greifen schon in jungen Jahren zur Flasche.
Berlin - Alarmierende Zahlen hat die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing, mit ihrem Suchtbericht 2008 vermeldet. Deutschlands Jugendliche trinken wie nie zuvor. Ein Jahr ist es her, dass ein 16-jähriger Berliner Gymnasiast nach dem Tequila-Wett-Trinken mit einem Kneipenwirt starb. Spektakuläre Fälle wie dieser sind die Ausnahme, aber Sabine Bätzing weist auf einen dramatischen Anstieg des Alkoholmissbrauchs hin. 2007 wurden 19 500 Jugendliche nach einem Besäufnis zur stationären Behandlung ins Krankenhaus gebracht - das waren doppelt so viele wie im Jahr 2000. Auch die Menge reinen Alkohols, die jeder 12- bis 20-Jährige wöchentlich konsumiert, hat sich deutlich erhöht. 2005 tranken Jugendliche im Schnitt 34 Gramm pro Woche: rund zwei 0,3-Gläser Bier, 2007 waren es schon mehr als drei. „Ein Viertel der Jugendlichen betrinkt sich einmal im Monat“, sagt Bätzing. Das Problem lasse sich dabei nicht einer bestimmten sozialen Schicht zuordnen. Man finde den Sohn des Arbeitslosengeld-II-Empfängers ebenso wie die Tochter aus dem Millionärshaushalt.

Als Ursachen nennt die Drogenbeauftragte den Einfluss der Gesellschaft. „Was leben wir jungen Menschen vor?“, fragt sie. Nicht nur Eltern und Nachbarn prägten die Konsummuster der Jugendlichen, sondern auch das Verhalten in Vereinen oder von Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen, etwa Musiker und Schauspieler. Zudem sei Alkohol überall verfügbar.

Auch die Werbung trage zum Alkoholmissbrauch bei, klagte Bätzing. Die Freiwillige Selbstkontrolle der Alkoholwirtschaft funktioniere nicht. Stattdessen würden gezielte Werbeaktionen gestartet, die Lebenswelten der Jugendlichen träfen sowie mit Humor und bestimmten Vorbildern arbeiteten. „Wir wollen die Selbstkontrolle stärken“, erklärte Bätzing. Von einem Alkoholwerbe-Verbot halte sie allerdings nichts.

Als bedenklich bezeichnete sie auch den Alkoholkonsum in der Schwangerschaft. Jedes Jahr kämen 10 000 Babys mit Schäden zur Welt, die durch den Alkoholkonsum der Mutter entstanden seien, 4000 davon mit dem besonders schweren fetalen Alkoholsyndrom.

Ein positives Resümee zog die Drogenbeauftragte aus der Umsetzung der Rauchverbote. Nachdem der Bund im September bereits das Rauchen in Bundesgebäuden und der Bahn verboten hatte, werden bis 1. Juli 2008 alle Länder mit Nichtrauchergesetzen nachgezogen haben. Einer Emnid-Umfrage zufolge begrüßten 71 Prozent der Bevölkerung die Neuregelungen. Bätzing gehen die Regelungen allerdings noch nicht weit genug. „Wir appellieren an die Länder, die Ausnahmeregelungen zu überdenken“, betonte sie.

Erfreulich nannte es Bätzing, dass die Zahl der jugendlichen Raucher zwischen 12 und 17 Jahren weiter sank. Sie liegt bei 18 Prozent; vor sieben Jahren rauchten noch 28 Prozent. Bei den Erwachsenen ist es jeder Dritte.



Die Kölnische Rundschau im Abonnement erhalten JETZT BESTELLEN!
4 Wochen Rundschau zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%.

Newsticker


Anzeige


Rundschau-Spiel


Bildergalerien


Rundschau-Forum


Videonews Politik


Ihre Top-Artikel


Aktion


SERVICE


Extra


Dienste