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Tonabbau erträglich gestalten

Von SARAH SCHMIDT, 30.05.08, 07:06h

Haben die Politiker Lessenich vergessen? Eine Befürchtung, die viele Einwohner des Ortes äußerten. Ein Ärgernis für die Bürger ist der massive Tonabbau rund um ihren Ort. Schmutz...

LESSENICH. Haben die Politiker Lessenich vergessen? Eine Befürchtung, die viele Einwohner des Ortes äußerten. Ein Ärgernis für die Bürger ist der massive Tonabbau rund um ihren Ort. Schmutz auf der Straße, Feinstaubbelastung und ungesicherte Abbauflächen sind Punkte, die, so die Lessenicher, ein Stück Lebensqualität rauben.

Auch UWV-Mann Michael Wolfgarten, der bis vor zwei Wochen Ortsvorsteher war, fühlt sich von den Politikern „nicht ernst genommen“. Ein Grund, warum er nach sechsjähriger Amtszeit das Handtuch warf und sein Ratsmandat niederlegte.

„Ich will mit den Ratsherren nichts mehr zu tun haben“, schimpfte er in der Bürgerversammlung, zu der die UWV eingeladen hatte. Sechs Jahre habe er sich die Hacken abgelaufen, doch jetzt sei Schluss.

Dabei habe er doch nur eins gefordert: dass der Tonabbau in Lessenich erträglich gestaltet werde. „Die Bürger wollen einfach informiert werden“, betonte er. Es könne doch nicht sein, dass man morgens von Baggern geweckt werde und hinter der eigenen Haustüre plötzlich eine Tongrube entstehe. Doch dafür habe Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick wenig Verständnis gezeigt.

„Er war es leid, über das Thema zu reden. Wir Lessenicher müssten nun mal mit dem Problem leben“, fasste Wolfgarten die Reaktion des Bürgermeisters in einer Ratssitzung Anfang Mai zusammen.

„Man achtet mehr auf die Belange der Abbauunternehmen. Ich will das so nicht mehr mitmachen“, sagte Wolfgarten. Die rund 50 Lessenicher in der Gaststätte „En de Möll“ zeigten Verständnis für den Rücktritt ihres Ortsvorstehers. Doch plagt sie nun Ungewissheit, wie es weitergehen soll. UWV-Fraktionschef Wulf-Dietrich Simon versuchte, die Einwohner zu beruhigen: „Durch den Schritt von Michael beginnt vielleicht eine etwas andere Behandlung von Lessenich.“ Denn in der Stadtverwaltung sei eine Mappe mit zwei Rekultivierungsplänen aufgetaucht. Demnach sollen die Flächen „Grube Stein“ und „Grube Bockloch“ renaturiert werden. „Man sieht, die vielen kleinen Schritte haben doch irgendetwas bewirkt“, sagte Simon. Doch einen echten Erfolg sahen einige Bürger darin nicht. „Ich denke, dass das mit den angeblichen Rekultivierungsplänen nur eine Hinhaltetaktik ist“, rief etwa Matthias Meurer.

Eine ganz andere Vermutung stellte Markus Meisen auf: „Hier passiert nichts, weil hier ein Mitglied der UWV gewählt wurde.“ Parteipolitische Auseinandersetzungen seien schuld daran, dass in Lessenich nichts unternommen werde. Seit Jahren kämpfe man für eine Verkehrsberuhigung am Ortseingang. „Weiler bekommt eine, wir nicht“, betonte er. Meisen rief die Lessenicher dazu auf, täglich an die Bezirksregierung einen Beschwerdebrief zu schreiben. So wie er selbst. „Ich habe mich beschwert und siehe da: Es kam jemand raus und die Böschung wurde aufgefüllt.“ Auf den Vorschlag des Fraktionsvorsitzenden, die Lessenicher sollten eine Bürgerinitiative gründen, reagierten die Anwesenden zunächst eher zögerlich. „Das hat doch keinen Sinn“, murmelten einige. Nun wollen sich doch einige Einwohner zu einer Initiative zusammenschließen.



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