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Helden-Sage mit Knalleffekt

Erstellt 05.06.08, 07:18h

Wie, das Stück ist schon vorbei? Mit einem Clou starten die Laienspieler der Jahrgangsstufe 12 des Vinzenz-Pallotti-Kollegs ihre aktuelle Theaterproduktion. Stürmen die Gäste doch...

RHEINBACH. Wie, das Stück ist schon vorbei? Mit einem Clou starten die Laienspieler der Jahrgangsstufe 12 des Vinzenz-Pallotti-Kollegs ihre aktuelle Theaterproduktion. Stürmen die Gäste doch voller Vorfreude auf schauspielerische Wonnen in den Saal und müssen doch feststellen, dass die Vorstellung bereits beendet ist. Schuld ist ein Druckfehler bei der Zeitangabe auf den Eintrittskarten. Bei „Lang leben die Nibelungen! Die nie gelungen“ oder die „Sage vom Untergang Burgunds" von Tobias Hasenberg, Marcel Bläser und Andreas Honecker ist der Knalleffekt gewollt.

Vergesslicher

Minnesänger

Schon zu Beginn ihrer turbulenten Parodie auf die Nibelungensage, für die sie gut ein Jahr lang geprobt haben, ist die Geschichte eigentlich schon erzählt, die Schauspieler haben bereits Feierabend gemacht. Nur die Bühne zeigt noch Spuren eines ereignisreichen Theaterabends mit tragischem Ausgang. Deshalb ist es auch die Putzkolonne, die die Bühne betritt, um diese Spuren zu beseitigen.

Umso größer ist das Erstaunen der Reinigungskräfte, dass der Saal voller Zuschauer ist, die auf den Beginn des Stückes warten und nicht glauben wollen, dass es bereits vorbei ist. Eisern bestehen sie auf eine Aufführung. Zum Glück gibt es den vergesslichen Minnesänger Volker von Alzheim (Andreas Honecker), einen der „Originalschauspieler", der just in diesem Augenblick die Bühne betritt. Mithilfe vereinter Kräfte gelingt es Putzkolonne und Zuschauern, den überrumpelten Barden davon zu überzeugen, noch einmal das Lied von den Nibelungen anzustimmen - szenisch begleitet von Putzkräften und eifrigen Helfern aus dem Publikum.

Irgendwie entwickelt sich die Nibelungensage dann doch etwas anders als gedacht: Es geht zwar wie gehabt um den Helden Siegfried von Xanten (David Tournay), der durch seinem Sieg über den Drachen (Sina Bücheler) nahezu unsterblich wird, sich den Schatz der Nibelungen aneignet und Gunther, König von Burgund (Marcel Bläser), bei der „Bezwingung“ der Königin von Isenland, Brunhild (Franziska Linke), zu unterstützen. Was ist die Folge? Beide heiraten, und Siegfried bekommt im Gegenzug die Schwester des Königs, Kriemhild (Felicitas Gildenhard).

Dumm nur, dass unser Held zwar Lust auf Heldentaten, aber keine auf Kriemhild hat. Der Krach ist schon vor der Ehe programmiert. Kriemhild dagegen hat nur ein Ziel: egal, wen sie heiratet, er muss ein Held sein.

Weitaus schwerer hat es da ihr Bruder, der zwar großen Gefallen an seiner befehlsgewaltigen Rolle findet, sich aber nicht durchsetzen kann. Seine nordisch-emanzipierte Ehefrau Brunhild hat in dieser königlichen Beziehung die Hosen an. Im Hintergrund all dessen schmiedet der finstere Hagen von Tronje (Paul Möltgen) ein Mordkomplott, aber es will ihm einfach nicht gelingen, Siegfried zu töten.

Diesen Auftrag hat auch Zwerg Alberich (Thomas Witt), hat aber gegen Siegfried keine Chance. Klar, dass er Rachegelüste hegt . . .

In diesem Stück will jeder alles, nur eines nicht: sterben. So gestaltet sich nicht nur der Tod des Drachen, sondern auch der des Helden wegen ungebrochener Lebendigkeit als unerwartet schwierig. Da fällt es kaum noch auf, dass die mittelalterliche Welt der Nibelungen irgendwie moderner geworden ist: munter wird telefoniert oder mit dem Flugzeug geflogen. Billigflieger versteht sich, die Bahn komme ja immer zu spät. Ob es schließlich doch gelingt, die Ehe von Siegfried und Kriemhild zu retten? Und welche Rolle spielen bei all dem ein Lindenbaum (Ulf Peschel) und ein Stuhl? (jr)



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