Von CHRISTIANE WORRING, 06.06.08, 19:13h
„Wenn Väter mehr und mehr in eine ursprüngliche Frauendomäne eingreifen, führt das zu Auseinandersetzungen“, hat Eberhard Schäfer, Leiter des Väterzentrums in Berlin festgestellt. Betroffen davon sind nicht nur Familien, in denen „neue Väter“ ihren Beitrag zur Erziehung der Kinder leisten möchten. Auch in kinderlosen Beziehungen, in denen Männer selbstverständlich ihren Beitrag zur Hausarbeit leisten, kracht es - gerade deshalb. ER kauft immer das falsche Klopapier oder die falschen Windeln ein. ER zieht das Kind zu dünn an, wäscht die Socken im Kochwaschgang oder - noch schlimmer - zaubert eine hervorragende Lachsterrine, während SIE auf Fischstäbchen und Milchreis aus der Tüte abonniert ist. „Ich musste zum Beispiel lernen, dass es eine Einordnungsordnung im Geschirrspüler gibt. Das ist so eine Grundordnung, die Frauen im Kopf haben, wenn sie den Geschirrspüler einräumen“, erzählt ein Vater in Elternzeit aus Bonn. „Die großen Teller rechts, die kleine links - dass wir uns über so etwas mal ernsthaft streiten würden, hätte ich nicht gedacht.“
Auch moderne Rollenverteilung will akzeptiert seinViele Männer nehmen die neue Herausforderung an, kurioserweise sind es vor allem die Frauen, die mit der Rollenverteilung so ihre Probleme haben. Ein Grund: „Unterschiedliche Wahrnehmungen und auch unterschiedliche Anforderungen und Vorstellungen, wie etwas gemacht wird“, sagt Dr. Rüdiger Schulz vom Allensbacher Institut für Demoskopie, Autor der „Vorwerk Familienstudie“. Aber die althergebrachten Rollenbilder sitzen fest: So gerne viele Männer Aufgaben in Familie und Haushalt übernehmen, so ungern geben die Frauen ihre angestammten Territorien auf. Gleichberechtigt mit dem Partner einen Beruf ausüben und den Haushalt schmeißen - ja bitte. Aber wenn dann die Kinder zum Trösten lieber auf Papas Schoß krabbeln, ist das auch nicht recht.
Vorbilder, wie die neue Rollenverteilung im Alltagsleben zu realisieren ist, gibt es nicht, schließlich hat ein Großteil der heutigen Müttergeneration in ihrer Kindheit noch gelernt, dass Frauen für Hausarbeit zuständig sind. Von dieser Vorstellung abzulassen, gelingt nur partnerschaftlich - mit offenen Gesprächen über die gegenseitigen Erwartungen. Eltern sollten sich aus der typischen Vater-Mutter-Kind-Rollenkonstellation verabschieden, meint Eberhard Schäfer. „Für Kinder ist es wichtig, dass es zwei kompetente Personen in der Familie gibt.“ Und nicht einen Teamleiter und einen Assistenten. (mit dpa)
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22. April 2012,
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