Von HANS-WILLI HERMANS, 08.04.75, 18:44h
John Fogerty ist Understatement pur, seit er in der Hoch-Zeit kosmisch-ausschweifender Kollektivimprovisationen Ende der 60er Jahre urplötzlich mit bodenständigen Liedern zur Stelle war. Und die wurden dank ihrer geradezu unverfrorenen Eingängigkeit in Radios und Diskotheken stets besonders beliebt.
Zwar lösten die Songs über Schaufelraddampfer, Ochsenfrösche und ranzige Eckkneipen, die Fogerty für seine Band Creedence Clearwater Revival schrieb, schon damals nicht jene Fan-Hysterien aus, wie sie für andere Lichtgestalten des Rock täglich Brot waren. Doch dass sie unzweifelhaft zum Kanon der Musikgeschichte gehören, wird auch in Bonn sofort deutlich.
In Ehren ergraute Menschen, die den Großteil des Publikums ausmachen, aber auch eine respektable Anzahl jüngerer Leute in ihren Zwanzigern jauchzen begeistert auf, tauschen wissende Blicke aus, sobald John Fogerty die Anfangsakkorde von „Born on the Bayou“, „Proud Mary“ oder „Who'll stop the Rain“ anschlägt. Ja, es sind immer noch diese vertrauten, rauen und verschleppten Rhythmen zwischen Rock'n'Roll, Country und Folk, die so klingen, als ob sie den Matsch aus den Sümpfen Louisianas noch an den Knochen hätten.
Fogerty hat mit sechs teils recht jungen Kräften eine größere Besetzung auf der Bühne als zu CCR-Zeiten, was ein wenig auf Kosten der Transparenz geht. Und auch wenn die Stimme des 63-Jährigen wie einst aus einem scheppernden Autoradio oder einer kaputten Jukebox zu kommen scheint, ist sie doch nicht mehr ganz so durchdringend wie früher.
Aber die Beschränkung aufs Wesentliche ist geblieben - die drei, vier trockenen Akkorde, die einen guten Rocker ausmachen, die ökonomischen Gitarrensoli, die John Fogerty nur spielt, um ein Stück voranzubringen. Glanzlichter aus dem Solo-Werk wie „The old Man down the Road“, „Broken down Cowboy“ von der aktuellen CD „Revival“ oder der Bluegrass-Ausflug „Blue Ridge Mountain Blues“ behaupten sich achtbar zwischen Höhepunkten wie dem hingefetzten „Fortunate Son“ und natürlich „Have you ever seen the Rain“, bei dem dann wirklich fast jeder mitsingt - und nicht nur den Refrain.
Knapp 30 Stücke packt Fogerty in die knapp zwei Sunden eines Konzerts, das sich, wie jedes gute Konzert, zum Ende hin steigert und dann Funken schlägt.
Der Zuhörer begreift, weshalb Größen à la Sinatra oder der späte Elvis, aber auch untadelige Punk- und Indie-Heroen wie Richard Hell, Gun Club und Sonic Youth diese Songs interpretiert haben. Man muss nicht lange an den Stellschrauben drehen, um sie gehörig zu dramatisieren. Und an diesem Abend ist der Museumsplatz die beste Eckkneipe weit und breit.
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22. April 2012,
E-Werk Köln