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Besichtigung

Der „Mechernicher Grand Canyon“

Von RONALD LARMANN, 03.06.08, 19:35h

Beim Tonabbau in Lessenich kritisieren Anwohner schmutzige Straßen, schlechte Absicherungen und mangelhafte Rekultivierungen. Gestern waren Mechernichs Politiker vor Ort die Ausmaße der Grube „Bocksloch“ anzusehen.

Mechernich - Grüne Felder, ein keiner Wald und eine große weiße Halle, auf der in großen Lettern „Lasko“ zu lesen ist - mehr ist auf den ersten Blick nicht zu sehen, selbst für den aufmerksamen Autofahrer, der von Satzvey kommend an der Burg Zievel vorbeifährt und am Abzweig nach Billig nach links schaut. Doch wenn er sich die Zeit nimmt, auszusteigen, um den kleinen, asphaltierten Feldweg entlang in Richtung dieser weißen Halle zu spazieren, steht er plötzlich vor einem riesigen Loch.

Troschke traute seinen Augen kaum

So ging es dem Mechernicher UWV-Politiker Franz Troschke, der seinen Augen kaum traute, als er die Ausmaße der Grube „Bocksloch“ sah. Er spricht gar von dem „Mechernicher Grand Canyon“. Das Staunen über diesen Krater machte schnell Platz für großen Ärger. Das Gelände ist so gut wie gar nicht gesichert. „Jedes Kind kommt ohne Probleme an den Kraterrand“, kritisiert der Mechernicher Politiker. Zäune oder Warnschilder sind Fehlanzeige. „Das ist nicht normal“, sagte gestern Dieter Jung von der Bezirksregierung Arnsberg, Dezernat 61 (dem früheren Bergamt), auf Nachfrage der Rundschau. „Das muss eingezäunt sein“, sagte der Beamte, der seit dem 1. Januar für den Abbau rund um Lessenich und die Einhaltung der Vorschriften zuständig ist. „Ab jetzt weht dort ein anderer Wind“, versprach er, sich der Sache anzunehmen, bevor er sich gestern auf die Reise zur Ortsbesichtigung mit den Politikern des Mechernicher Stadtentwicklungsausschusses machte.

Doch die Liste der Kritik am Tonabbau in Lessenich ist lang. „FürLessenich“ nennt sich die neue Bürgerinitiative, die sich nach dem Rücktritt des Ortsvorstehers Michael Wolfgarten für die Belange des Ortes einsetzt. Und sie drückt die Finger in die Wunde. „Drei Wochen lang wurde kein Ton mehr abgebaut“, weiß Harald Rieken, einer der fünf Bürgerinitiativen-Sprecher, zu berichten: „Da wurde nur alles schön hergerichtet für die Begehung.“ Doch das Beschönigen könne keineswegs über die Missstände hinwegtäuschen.

Forderungen

der Initiative

Verkehrssicherheit, Umweltschutz, Immissionsbelastung durch Staub und Lärm sowie Gefahrenpotenziale sind die Felder, die die Initiative beackert sehen will. „Die Gefahrenpotenziale, die von den Gruben ausgehen, sind schon enorm“, sagt Rieken und verweist auf die eingangs angesprochenen fehlenden Zäune. Es handele sich immerhin um ein Naherholungsgebiet mit Wander- und Trekkingrouten. „Einmal falsch abgebogen und 20 Meter gegangen, schon liegt der Wanderer in der Grube“, schildert Rieken ein mögliches Unfallszenario. „Ich hoffe, dass die Grube geschlossen wird“, sagt er.

Gestern bei der Besichtigung vor Ort erklärte Dieter Jung: „Es ist alles im Fluss.“ Im Vorfeld sei mit der Firma abgesprochen worden, dass Zäune errichtet und weitere Schutzmaßnahmen umgesetzt werden. Jung: „Es wird jetzt alles seinen Gang nehmen.“

Bernhard Lassmann, Geschäftsführer der Abbaufirma, sagte: „Zunächst wird die Grube für Abbauarbeiten im kommenden Jahr vorbereitet. Wenn dies abgeschlossen ist, werden wir die Zäune aufstellen.“



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