Von PETER HEUSCH, 20.06.08, 21:22h, aktualisiert 20.06.08, 22:20h
Anfang des Jahres entrann ein Franzose nur denkbar knapp diesem Schicksal. Mitten in Paris und auf offener Straße war der 45-jährige Mann zusammengebrochen. Herzstillstand diagnostizierte ein Notarzt, der vergeblich versucht hatte, ihn zu reanimieren. Im renommierten Krankenhaus Pitié Salpêtrière, wohin der Mann umgehend gebracht wurde, erfolgten weitere fruchtlose Wiederbelebungsversuche. Nach 90 Minuten gaben die Ärzte den vermeintlich Toten zur Organspende frei. Doch auf dem OP-Tisch, als die Chirurgen ihre Skalpelle schon in der Hand hielten, begann der Mann wieder zu atmen. Er konnte - in buchstäblich letzter Minute - gerettet werden.
Seit dieser Vorfall vor wenigen Tagen publik wurde, wird in Frankreich eine Regeländerung für die Organspende hinterfragt, die sich derzeit noch im experimentellen Stadium befindet. Seit knapp einem Jahr ist es den Ärzten von neun Kliniken im Land - unter ihnen das Pariser Krankenhaus Pitié Salpêtrière - gestattet, nicht erst nach einem Hirntod, sondern bereits nach einem Herzstillstand zur Organentnahme zu schreiten. Bislang gilt diese Praxis allein in Großbritannien, Belgien, Holland, Spanien, Österreich, der Schweiz und den USA.
Bei der Organspende ist der Zeitpunkt der Entnahme von größter Wichtigkeit. Je später sie nach dem Tod eines Spenders erfolgt, umso größter ist die Wahrscheinlichkeit, dass seine Organe gelitten haben. In Frankreich warten derzeit rund 13 000 Menschen auf eine lebensrettende Organtransplantation, viele von ihnen mangels Spendern vergeblich. Aus diesem Grund erwägen die Behörden, die Regeln zu ändern und die Grenze für den klinischen Tod vom Hirn- auf den Herzstillstand vorzuverlegen. Die definitiven Entscheidungen der nationalen Biomedizin- sowie Ethikkomitees stehen jedoch noch aus.
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