Von DIETMAR FRATZ, 24.06.08, 07:15h
Die Literatur, die junge Chöre für sich erschließen, stellt üblicherweise eine Gratwanderung zwischen ernster (E-) und Unterhaltungs- (U-) Musik dar. Dem wollte sich die Chorgemeinschaft nicht entziehen und machte die Unterscheidung, die viel zu häufig, wenn auch nicht immer unzutreffend, an der Qualität festgemacht wird, kurzerhand zum Programm.
So setzte sich das Konzert aus ambitionierten Werken von Komponisten wie John Rutter, Alan Wilson oder Kirby Shaw, aber auch Welthits von Beatles, Simon & Garfunkel oder Queen zusammen.
Zur Eröffnung des rein englischsprachigen Konzertes unterstrich Rutters melodiöses God be in my head, dass die Chöre zuerst den geistlichen Auftrag im Kopf haben.
Frisch und wendig auch in polyphonen Passagen schwang der Chor sich durchweg sauber, strahlend und freudig zum Lob Gottes auf. Aber auch anklagende Töne fanden die Sänger, als die verstrahlten Kinder von Basra Thema wurden. Hier wurde Chorleiter Stephen Harrap in seiner Hinführung zum Werk bewegend deutlich. Das In memoriam diente auch als Musik zum Film Die verseuchten Kinder von Basra, und die schroffe, kantige Interpretation durch die Chöre sprach eine klare Sprache.
Der raffinierte Chorsound des Genres fußt nicht nur in Pop-Bearbeitungen auf der sogenannten Close Harmony, die ihre markante harmonische Reibung aus dichten Akkordstrukturen und -verbindungen bezieht. Da bedarf es schon intensiver Proben, um diese Tonsprache zu erlernen, die den Geschmack der Zuhörer im voll besetzten Kirchenraum bestens traf. Rutters Look at the world barg die Finessen dieses Kompositionsstils nicht nur durch die in herrliche Melodie gefasste staunende Freude an der Schöpfung, sondern auch ausdrucksvolle Nachdenklichkeit im harmonisch innigen Schluss.
Nebenbei warb der Chor mit diesem Konzert auch um neue Männerstimmen, die wie so oft Mangelware sind. Die nur vier Männer trugen dennoch vernehmlich zum bis zu fünfstimmigen Gesang bei.
Harrap hatte neben dem Dirigat auch das E-Piano zu bedienen. Die Grenzen zwischen A-cappella- und begleitetem Chorgesang gerieten recht fließend, da sich Harrap ohne allzu scharfe Kanten ein- und ausblendete, wann immer der Chor seiner ordnenden Hand bedurfte.
Nostalgisches Wiedererkennen (Stephen Harrap: Nicht nur für Sechzigjährige) und die Freude darüber, dass der Chor die Stimmungen der bekannten Songs gut traf, bescherte die abschließende Pop-Abteilung mit Yesterday, einer bejubelten Fassung der Bridge over troubled water, die als vehement geforderte Zugabe nochmals erklang, und Freddy Mercurys vielschichtigem Meisterwerk Bohemian Rhapsody, das dem Chor viel abverlangte. Da der Chor engagiert bei der Sache war, gelang auch dies erfreulich.
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