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Initiativen schlagen Alarm

Mehr Gewalt gegen Homosexuelle

Erstellt 24.06.08, 10:05h, aktualisiert 24.06.08, 10:05h

Trotz jahrzehntelanger Kampagnen für mehr Toleranz lässt die Gewalt gegen Homosexuelle bundesweit nicht nach. Im Gegenteil: Auf dem Land und in Großstädten melden immer mehr Schwule und Lesben Übergriffe.

Gewalt geg. Schwule und Lesben
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In Berlin sind anlässlich des Christopher Street Days die Regenbogenfahnen gehisst worden. Auch in Großstädten nimmt die Gewalt gegen Homosexuelle zu. (Bild: dpa)
Gewalt geg. Schwule und Lesben
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In Berlin sind anlässlich des Christopher Street Days die Regenbogenfahnen gehisst worden. Auch in Großstädten nimmt die Gewalt gegen Homosexuelle zu. (Bild: dpa)

Berlin - Zuerst sind es dumme Sprüche, doch oft schlagen die Täter dann auch brutal zu - Homosexuellen-Initiativen schlagen deswegen nun Alarm. "Wir müssen Sprüche auf dem Schulhof wie "Blöde Schwuchtel" ebenso unterbinden wie offene Gewalt gegen Homosexuelle", sagt Bastian Finke vom schwulen Antigewaltprojekt Maneo in Berlin. Daher steht auch die diesjährige Christopher-Street-Parade (CSD) an diesem Samstag (28. Juni) in der Hauptstadt unter dem Motto "Hass Du was dagegen", und in Köln heißt es am 6. Juli ebenfalls "Null Toleranz für null Toleranz".

"Mittlerweile hat sich die rechtliche Lage der Homosexuellen in Deutschland zwar gebessert, doch die Akzeptanz in der Gesellschaft ist noch immer nicht überall gleich gut", sagt die Sprecherin vom Lesben- und Schwulenverband in Deutschland, Renate Rampf. Stattdessen zeige sich die Gesellschaft sehr gespalten: "Mehr Toleranz führt zu einem größeren Sicherheitsgefühl, so dass Schwule und Lesben sich mehr und offener in der Öffentlichkeit zeigen." Doch das gefalle nicht allen. "Durch diese verstärkte Sichtbarkeit von Homosexuellen fühlen sich Gegner eher gedrängt, etwas zu tun und verstärken ihre Übergriffe."

Das bestätigt auch Maneo-Projektleiter Finke: "Das Klima wird rauer - die Fäuste fliegen schneller." Außerdem lauerten die Täter ihren Opfern mittlerweile gezielt in bekannten Szenebezirken oder vor einschlägigen Schwulen- und Lesbentreffs auf. Erst vor kurzem machte ein Berliner Fall Schlagzeilen, bei dem sieben Besucher eines Dragfestivals brutal überfallen worden waren.

Genaue Zahlen zur Gewalt gegen Schwule und Lesben gibt es allerdings nicht. Erste bundesweite Studien der Berliner Einrichtung Maneo ergaben zwar, dass rund ein Drittel aller Befragten allein in den letzten zwölf Monaten Gewalt erfahren hatte, viele davon sogar mehrmals. Repräsentative Erhebungen gibt es aber nicht. Stattdessen gehen Experten von hohen Dunkelziffern aus. Schließlich melden viele Opfer die Übergriffe nicht.

"Viele haben Angst, sich durch die Anzeige als homosexuell zu outen, oder können den Angriff nicht eindeutig auf ihre Sexualität zurückführen", sagt Rampf. Denn wenn beispielsweise junge Männer eine Lesbe schubsen und sie wegen ihres Aussehens anpöbeln, sei nicht eindeutig klar, ob es sich um einen homophoben Übergriff handele. "Einige Opfer verdängen die Sache dann lieber." Die Folge ist, dass bei der Polizei laut Maneo lediglich rund zehn Prozent aller Überfälle angezeigt werden.

Nur die wenigsten Täter werden daher auch zur Rechenschaft gezogen. Deswegen ist auch über sie wenig bekannt. Den Angaben der Opfer zufolge handelt es sich dabei jedoch meist um junge Männer zwischen 15 und 24 Jahren aus allen sozialen Schichten. Ein Teil von ihnen stammt demnach aus Einwandererfamilien, doch auch Täter aus deutschen Familien sind laut Maneo nicht selten.

"Die Ursachen für die Übergriffe werden allerdings nicht richtig wahrgenommen - stattdessen wird das Problem schon an der Wurzel permanent bagatellisiert", ärgert sich Diplom-Soziologe Finke. ""Schwule Sau" ist doch mittlerweile eines der beliebtesten Schimpfwörter, warum wird da nicht massiver von Eltern und Lehrern gegen vorgegangen?" So hätten sich in den vergangenen Jahren viele Vorurteile entwickelt, die nun latent in der Gesellschaft verbreitet seien. "Das senkt auch die Hemmschwelle für Übergriffe gegen Schwule und Lesben", warnt Finke.

Für Renate Rampf ist deswegen klar: Auch knapp 40 Jahre nach dem Aufstand von Homosexuellen gegen die Polizeiwillkür in der New Yorker Christopher Street ist Toleranz nicht selbstverständlich. "Homosexuellenfeindlichkeit hat eine jahrhundertelange Tradition -ein paar Partys helfen da nicht", sagt sie. "Jede Generation muss sich Respekt und Akzeptanz neu erarbeiten und aneignen."

(dpa)



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