Von Barbara Buchholz, 29.06.08, 19:36h
Sie erzählt das in einem kleinen Filmporträt über die Liebesapfel-Zeichnerinnen, das bei Youtube zu finden ist ( www.youtube.com/watch?v=5aGLFuX2ffA). Zustimmendes Murmeln der Kolleginnen Claire Lenkova, Paz Boïra, Laureline Michon, Barbara Yelin und Ulli Lust. Sie leben in Berlin, Hamburg und Strasbourg und haben zum Teil schon für die Comic-Anthologie „Spring“ zusammengearbeitet. Auch da machen nur Frauen mit. Was sich eher zufällig so ergeben hat, wie Barbara Yelin sagt, was aber eben gut funktioniert.
Die Hauptfigur wird immer älter
Dass es die sieben Geschichten über die Liebe auf Deutsch gibt, ist der Leipziger Verlegerin Lydia B. Schönberger zu verdanken, die das Projekt in ihrer „Biblyothek“ realisierte. In Frankreich hatte der Verlag Delcourt sich den „Pomme d'amour“ gegriffen. Barbara Yelins erste beiden Comicerzählungen sind zum Beispiel ausschließlich in Frankreich verlegt worden.
Nun haben sich die sieben Frauen zwar alle dem gleichen Thema gewidmet, aber eben jede auf ihre Weise. Und in jeder Geschichte - das gehörte zum Konzept - sollte die Hauptfigur älter sein als die in der vorigen. So blickt bei Claire Lenkova ein kleines Mädchen ratlos auf das wenig liebevolle Verhältnis des Vaters zur Mutter, bis sich ihr die Frage aufdrängt: „Mutti? Kann der Onkel Stefan nicht mein Vati sein?“ Die letzte im Bunde ist die in Berlin lebende Wienerin Ulli Lust: Ihre Heldin ist 53 und plagt sich ausgesprochen sympathisch mit Frühlingsgefühlen. Dass die für eine Frau über 50 doch nicht so überflüssig sind, wird sie nach liebevoll beschriebenen Mühseligkeiten zu guter Letzt aber doch feststellen. Zwischen dem Kind und der reifen Frau liegen die übrigen Jahrzehnte vom Teenie bis zur Mittvierzigerin. Barbara Yelins Protagonistin etwa ist um die Dreißig, hat Job und einen Freund, der ein Kind hat - und keinen Schlaf mehr. Sie wälzt sich im Bett ohne Ruhe zu finden, ihre Nerven liegen blank und hinter all dem Stress droht die Beziehung zu verschwinden.
Anders bei dem Paar, das Verena Braun in flächigen Farben in Szene setzt. Die beiden sind lange verheiratet. Sie leben in Routine nebeneinander und wissen im Grunde gar nicht recht, wieso sie eigentlich zusammen sind. Braun, die ihren Charakteren sonst gerne Tiergestalt gibt, malt hier Menschen. Die aber befinden sich dafür im Zoo und sehen zum Beispiel den Affen zu: „Ich liebe die Paviane mit ihren bunten Hintern“, sagt die Frau und fügt, weil sie die Beiläufigkeit unterbrechen will, hinzu: „Dich liebe ich auch!“
Jede der Frauen erlebt und betrachtet die Liebe anders. Eine nach der anderen stößt aber zu einem Feuerchen unterm Apfelbaum, das jeweils zwischen den Geschichten brennt.
Das Buch ist von vorne bis hinten, von innen und außen wunderschön. Dickes, glattes Papier, fester Einband, satt pinkfarbenes Vorsatzpapier. Auf dem zartgrünen Schutzumschlag lässt sich das als Engelchen kostümierte Partymädchen aus Laureline Michons Geschichte selig lächelnd von einem Baum fallen - sie kann ja sicher fliegen.
Pomme d'amour. 7 Geschichten über die Liebe, Die Biblyothek, 19,90 Euro)
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22. April 2012,
E-Werk Köln
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