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„Das ist der Sturz einer Ikone“

Erstellt 08.07.08, 07:12h

Für viele Gemeindemitglieder sei am Sonntag eine Welt zusammengebrochen, sagt Pfarrer Winfried Kissel. In der Sonntagsmesse in St. Maria Königin hatte er die Erklärung des...

REFRATH. Für viele Gemeindemitglieder sei am Sonntag eine Welt zusammengebrochen, sagt Pfarrer Winfried Kissel. In der Sonntagsmesse in St. Maria Königin hatte er die Erklärung des Erzbistums zu den Missbrauchsvorwürfen gegen einen verstorbenen Geistlichen verlesen. Kissels Einschätzung: „Das kommt einer Bestätigung der Vorwürfe gleich. Das ist der Sturz einer Ikone.“ Ein Ignorieren der Vorwürfe dürfe es jetzt nicht mehr geben, „auch wenn dies schwer fällt“. Andererseits habe sich der unter Verdacht stehende Seelsorger große Verdienste um die Pfarre erworben. „Es darf kein Schwarz-Weiß-Denken geben“, sagt Kissel. Nicht alles, was der Seelsorger in Frankenforst initiiert habe, dürfe man verteufeln. Andernfalls drohe die Pfarre ihre Identität zu verlieren. Damit wolle er die Vorwürfe nicht kleinreden, die Gemeinde müsse künftig jedoch beide Seiten sehen. Für die vom Missbrauch Betroffenen sei die Erklärung des Erzbistums ein „Befreiungsschlag und eine Erlösung“ gewesen.

Elfriede Mayer (Name geändert) hat gestern nur Wut verspürt. Mit dem Ausdruck des Online-Artikels ihrer Zeitung und einer Rolle Tesafilm ist sie zu dem Glaskasten vor der St.-Maria-Königin-Kirche gefahren. Am Morgen hatte sie in der Zeitung zum ersten Mal von den Vorwürfen gegen den Geistlichen erfahren, bei dem ihre beiden Söhne in den 70er Jahren Kommunion- und Schulunterricht hatten. Dass die Kirche das Schreiben des Generalvikars tatsächlich als Aushang in den Kasten hängt, habe sie nicht glauben können. „Ich dachte, die lügen“, sagt sie. Jetzt steht sie davor, den Artikel muss sie nun nicht mehr aufhängen. „Ich verstehe nicht, wie kann er vor den Altar treten, so ein Mensch?“, fragt sie. „Jetzt sollen wir auch noch beten gehen, wenn Gott sowas schon zulässt.“

Inzwischen ist eine zweite Frau an den Glaskasten getreten. „Ich kann es immer noch nicht glauben“, sagt sie. Auch ihre Söhne hatten Anfang der 70er Jahre den Kommunionunterricht des Geistlichen besucht. „Ich finde schlimm, dass man so etwas über einen Toten sagt. Der kann sich nicht mehr wehren.“ Alles dürfe über Tote gesagt werden, fällt ihr Mayer ins Wort. Wenn es doch stimme.

Ein älterer Mann wirft einen abschätzigen Blick auf den Aushang. „Ich halte das für überflüssig“, sagt er. Alle Welt wisse, was in der Frankenforster Gemeinde passiert sei. Tote solle man ruhen lassen, sagt auch er. „Schwaderlapp hat die katholische Kirche durch seine Art und Weise sehr geschädigt.“ (cbt / ivb)



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