Erstellt 08.07.08, 07:12h
Elfriede Mayer (Name geändert) hat gestern nur Wut verspürt. Mit dem Ausdruck des Online-Artikels ihrer Zeitung und einer Rolle Tesafilm ist sie zu dem Glaskasten vor der St.-Maria-Königin-Kirche gefahren. Am Morgen hatte sie in der Zeitung zum ersten Mal von den Vorwürfen gegen den Geistlichen erfahren, bei dem ihre beiden Söhne in den 70er Jahren Kommunion- und Schulunterricht hatten. Dass die Kirche das Schreiben des Generalvikars tatsächlich als Aushang in den Kasten hängt, habe sie nicht glauben können. Ich dachte, die lügen, sagt sie. Jetzt steht sie davor, den Artikel muss sie nun nicht mehr aufhängen. Ich verstehe nicht, wie kann er vor den Altar treten, so ein Mensch?, fragt sie. Jetzt sollen wir auch noch beten gehen, wenn Gott sowas schon zulässt.
Inzwischen ist eine zweite Frau an den Glaskasten getreten. Ich kann es immer noch nicht glauben, sagt sie. Auch ihre Söhne hatten Anfang der 70er Jahre den Kommunionunterricht des Geistlichen besucht. Ich finde schlimm, dass man so etwas über einen Toten sagt. Der kann sich nicht mehr wehren. Alles dürfe über Tote gesagt werden, fällt ihr Mayer ins Wort. Wenn es doch stimme.
Ein älterer Mann wirft einen abschätzigen Blick auf den Aushang. Ich halte das für überflüssig, sagt er. Alle Welt wisse, was in der Frankenforster Gemeinde passiert sei. Tote solle man ruhen lassen, sagt auch er. Schwaderlapp hat die katholische Kirche durch seine Art und Weise sehr geschädigt. (cbt / ivb)
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