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Tumulte auf den Gleisen

Erstellt 15.07.08, 22:19h

Klaus Laepple war bis 1968 Asta-Chef an der Uni, anschließend Landesvorsitzender der Studentenschaft und Bundesvorsitzender der Deutschen Studenten-Union. Susanne Happe sprach mit ihm.

Klaus Laepple war bis 1968 Asta-Chef an der Uni, anschließend Landesvorsitzender der Studentenschaft und Bundesvorsitzender der Deutschen Studenten-Union. Susanne Happe sprach mit ihm.

Herr Laepple, in den 60ern haben Sie vor allem 1966 mit einem Streik gegen eine Preiserhöhung bei den KVB Furore gemacht. . .

Das war vorher ziemlich unbemerkt durch den Rat gegangen, in dem nur SPD und CDU saßen. Die Studenten-Wochenkarte sollte um 53 Prozent von 2,50 auf 3,80 Euro steigen - ein bisschen haarig, oder? Denn die Studenten bekamen damals nach dem Honnefer Modell gerade mal 300 Mark im Monat.

Am 21. Oktober 1966 waren erst mal die Schüler aufgerufen zu demonstrieren.

Da war ich aber mehr aus der Not geborener verantwortlicher Demonstrationsleiter. Eigentlich sollte eine Lehrerin die Verantwortung übernehmen. Als die zurückgepfiffen wurde, rief man mich, weil ich das 21. Lebensjahr vollendet hatte und im Polizeipräsidium unterschreiben konnte.

Wie viele kamen?

8000 bis 10 000 zogen vom Neumarkt durch die Schildergasse zum Rathaus. Von der Stadt ließ sich aber keiner blicken.

Hatten Sie denn mit den Politikern vorher gesprochen?

Klar. Ex-OB Theo Burauen schrieb, das sei eine Entscheidung des Stadtrats, mit der habe er gar nichts zu tun. Ex-SPD-Fraktionschef John van Nes Ziegler - die SPD hatte die absolute Mehrheit - schickte uns die Ratsprotokolle und meinte, darin könnten wir die Diskussion ja nachlesen. Und der CDU-Fraktionschef Dr. Franz Lemmens versicherte, die CDU sei auch dagegen.

Am Montag, 24. Oktober, kam es dann zur großen Studenten-Demo, zur Sitzblockade auf den Bahnschienen. Die Zeitungen schreiben von „tumultartigen Ausschreitungen bis nach Mitternacht“. Es entstand angeblich ein Schaden von 90 000 Mark. Die wollten die KVB von Ihnen zurückhaben . .

Die Sitzblockade hat dann auch später zur Anklage wegen Nötigung, Landfriedensbruch, Aufruhr und Verstoß gegen das Versammlungsgesetz gegen mich geführt, die bis zum Bundesgerichtshof ging. Hinterher habe ich oft gedacht, was bleibend war, war die Überzeugung: Wir lassen uns nicht alles gefallen.

Und Ihre Eltern, wie haben die reagiert?

(ironisch): Meine Eltern waren hellauf begeistert. Die haben gesagt: Weiter so, mein Sohn, so wird was aus dir.

1970 ist das Verfahren gegen Sie eingestellt worden. Das Urteil des Bundesgerichtshofs nach dem „Schwarzen Montag“ für die KVB ist als „Laepple-Urteil“ in die Bücher eingegangen. Warum?

Der BGH hat damals eine völlig neue Definition des Gewaltbegriffs geliefert. Während bis dahin nur die physische Gewalt zählte, hat er gesagt, entscheidend sei die Zwangswirkung der Sitzblockade auf den KVB-Schienen gewesen. Insofern gibt es auch eine psychische Gewalt.



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