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Frische Bio-Fische von der Kokerei

Von CLAUS BOELEN-THEILE, 17.07.08, 07:12h

Geplant wird in Herrenstrunden, gebaut in Völklingen. Entstehen soll Innovatives: Meeresfische, fangfrisch vom Festland. Ab Mitte/Ende 2010 wird diese Vision der Bergisch...

BERGISCH GLADBACH. Geplant wird in Herrenstrunden, gebaut in Völklingen.

Entstehen soll Innovatives: Meeresfische, fangfrisch vom Festland. Ab Mitte / Ende 2010 wird diese Vision der Bergisch Gladbacher „International Fish Farming Technology“ (IFFT) auf einem ausgedienten Kokereigelände im Völklinger Stadtteil Fürstenhausen Realität. Die Verträge sind unterschrieben, die Baugenehmigung ist erteilt, das Ausschreibungsverfahren für die Gewerke läuft. Geplanter Baubeginn: Ende 2008. Die IFFT ist weltweit das einzige Unternehmen, das die Produktion von Salzwasserfischen im Binnenland projektreif anbietet.

„Unsere Fische werden ultrafisch sein und allerbeste Qualität haben“, verspricht IFFT-Geschäftsführer Friedrich Esser. „Vier Stunden nach dem Fang sind die Fische schon beim Kunden.“ Einmal wöchentlich schaut Esser derzeit in Völklingen nach dem Stand der Dinge. Die IFFT habe im Saarland mit ihrer Idee offene Türen eingerannt.

Das Völklinger Projekt ist gigantisch in seinen Dimensionen. Wie Mini-Ozeane wirken die Maße der fünf überdachten Zuchtbecken. Jedes 60 Meter lang, 15 Meter breit und 1,60 Meter tief. 400 000 Edelfische sollen sich in den schwimmbadgroßen Becken tummeln und ideale Lebensbedingungen wie im Meer vorfinden. 500 Tonnen an bestem Fisch wollen die bergischen Projektentwickler anfangs pro Jahr züchten und damit die Gourmetregionen Deutschlands und der Nachbarländer erobern. Wolfsbarsch, Stör und Dorade zum Projektstart, auch die Zucht von Steinbutt, Loup de Mer und Red Snapper ist möglich. Später könnten es 5000 Tonnen Edelfisch jährlich sein, die in den Völklinger Becken gezüchtet werden. Erweiterungsflächen sind vorhanden. Auch Kaviar ist im Produktangebot der Fischzüchter. Langfristig kann sich Esser auch Algenzucht vorstellen, Kontakte zum Dürscheider Öko-Experten Professor Helmut Lieth sind vorhanden. Bei all dem ist die riesige Fischfarm hunderte Kilometer vom Meer entfernt. Seit 2004 betreibt die IFFT eine Referenzanlage bei Hannover - zehn Tonnen Edelfisch pro Jahr. „Das funktioniert“, sagt Friedrich Esser.

Oberstes Ziel der Fischzüchter: Umweltschonend und nachhaltig soll produziert werden - und zwar in einem vollständig geschlossenem System. Den Wärmebedarf der Zuchtbecken deckt eine auf 1,6 Megawatt angelegte Biomasse-Anlage, die sich aus dem Schlammkonzentrat der Anlage speist. Die Fische mögen es warm, alles aus den Filtern wandert in die Biomasse-Anlage. Zusätzlich kann das Öko-Kraftwerk Grünschnitt verarbeiten. Das Wasser in den Becken wird mittels Aufschäumern gereinigt, mit Biofiltern werden Feststoffe aus dem Wasser gespült.

Zwölf Millionen Euro investiert die IFFT im ersten Bauabschnitt, die saarländische Kommune erschließt zurzeit die 38 Hektar große Industriebrache für 25 Millionen. Gemeinsam mit der Stadt Völklingen hat die IFFT die Meeresfischzucht Völklingen GmbH gegründet. „Wir bleiben mit unserem Firmensitz in Bergisch Gladbach“, sagt Esser. Acht Beschäftigte hat die IFFT in Herrenstrunden (Malteser-Komturei), sie sind überwiegend tätig im kaufmännischem Bereich. Im nächsten Jahr sollen es 16 sein. Spezialisten für Meeresbiologie und Fischzucht werden das Team ergänzen.

Dass die IFFT 2004 fast den Zuschlag für ihre Aqua-Zucht in der Gemeinde Kürten bekommen hätte, hat der Firmenchef mittlerweile abgehakt. Ein Jahr lang hatte Esser damals mit Verwaltung und Politik verhandelt, um das Splash-Bad von einer Freizeitanlage zur Fischfarm umzubauen. Alle in Kürten wollten das Projekt, nur das Land mochte keinen Gewerbebetrieb im Außenbereich zulassen. Selbst ein Gesprächstermin bei der Landesregierung brachte nichts. Esser klappte im Frühjahr 2005 nach zig Verhandlungsrunden genervt die Akte Kürten zu. Wenig später meldeten sich bei ihm die Völklinger. „Wir hätten unsere Unternehmenszentrale nach Kürten geholt und die Standorte in Gladbach und Hannover aufgegeben.“ 400 Tonnen Fisch habe die IFFT in Kürten züchten wollen. Letztlich sei das Projekt an der Bürokratie gescheitert.

2007 unterzeichnete IFFT die Verträge mit Völklingen. Damit Völklingen (40 000 Einwohner) die Fischfabrik kommerziell betreiben kann, änderte das Saarland sogar sein Kommunalrecht. Die Technische Hochschule Saarbrücken richtet für die Aqua-Züchter eine Stiftungsprofessur ein. „Schnelle Entscheidungen und kompetente Partner“ gebe es im Saarland, lobt Esser. Auch mit Ministerpräsident Peter Müller hat Esser gesprochen. „Schade, dass es im Umfeld von Gladbach nicht geklappt hat. Wir hätten auch gerne hier gebaut“, bedauert er. Die Fischzucht werde die IFFT weltweit vermarkten.



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