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Missbrauch in Pfarrgemeinde

Über vier Jahre hinweg an Jungen vergriffen?

Von ULRIKE SCHÖDEL, 17.07.08, 23:25h

Im Rahmen der katholischen Jugendarbeit einer Pfarrgemeinde in der Stadt Euskirchen soll sich ein Betreuer über Jahre hinweg an einer großen Zahl von Jungen vergangen haben. Die Staatsanwaltschaft hat den Mann in 104 Fällen angeklagt.

Euskirchen - EUSKIRCHEN / BONN. Im Rahmen der katholischen Jugendarbeit einer Pfarrgemeinde in der Stadt Euskirchen soll sich ein Betreuer über Jahre hinweg an einer großen Zahl von Jungen vergangen haben. Die Bonner Staatsanwaltschaft hat den 29-jährigen Kinder- und Jugendbetreuer nun wegen des Vorwurfs des sexuellen Missbrauchs von Kindern in 104 Fällen angeklagt: In zwei Fällen soll es sogar zu versuchten Vergewaltigungen gekommen sein. Wegen der vielen Übergriffe hat die Staatsanwaltschaft sich auf den Missbrauch von zehn Jungen im Alter zwischen neun und 13 Jahren beschränkt. Nachdem der Fall im Februar ans Tageslicht gekommen war, haben sich zahlreiche Opfer gemeldet. Bis zu 60 Jungen sollen davon betroffen sein.

Der Angeklagte galt als einer, der „sich besonders rührend um Kinder gekümmert“ hatte. Der Theologie-Student im siebten Semester wohnte noch im Haus seiner Eltern: eine tadellose, christlich engagierte und angesehene Familie. All seine Freizeit verbrachte der Angeklagte mit Kindern und Jugendlichen. Er betreute ehrenamtlich die angehenden Messdiener, er half bei Hausaufgaben oder war Übungsleiter in einem Sportverein. Und vor allem: Wegen seiner liebenswerten Art genoss er bei allen das größte Vertrauen. Auch bei den Eltern.

Das aber soll er - grenzenlos - missbraucht haben: Laut Anklage hat er seit 2004 bei jeder Gelegenheit, die sich ihm bot, zu den Jungen Kontakt aufgenommen und sich sexuell genähert haben. Ob bei Jugendfreizeiten in Dänemark oder Süditalien, ob bei Ausflügen (die übrigens meistens von ihm organisiert waren), in Kinder- oder Jugendlagern, in Kletterhallen oder im Schwimmbad, ob im Auto oder auch bei sich zu Hause - offenbar, so die Anklage, hat der Betreuer überall Kinder missbraucht.

Oft habe er sich zu den Kindern - wenn sie unterwegs waren - nachts ins Bett gelegt und versucht, seine pädophil-homosexuelle Neigung zu befriedigen. Laut Gutachten erlag er der erotischen Anziehung von Kindern. Am schlimmsten soll es Marc M. (Name geändert) getroffen haben. Der Junge war 2004 neun Jahre alt und wurde zum Messdiener ausgebildet. Über drei Jahre soll er in den Fängen des Jugendbetreuers gewesen sein, allein 30 konkrete Fälle sind in seinem Fall angeklagt. Als Marc sich im Sommer 2007 gelöst hatte, soll der Angeklagte ihn weiter verfolgt haben. Mit Telefonaten oder SMS. Oder auch im Internet-Chatroom, wo er andere Kinder nach Marc ausgefragt haben soll. Die Staatsanwaltschaft spricht davon, dass der 29-Jährige in dem Kind eine Art Partner gesehen habe. Im Februar flog der Fall auf, nachdem drei Kinder einer Mutter von den Vorfällen erzählt hatten. Die Frau schlug Alarm und löste in der Gemeinde eine ungeheuere Lawine aus.

Der Angeklagte wurde am 12. Februar 2007 festgenommen und sitzt in Untersuchungshaft. Prozessauftakt ist am 8. August vor der Bonner Jugendschutzkammer.

Wegen des umfassenden Geständnisses des Angeklagten werden die meisten Kinder nicht als Zeugen vor Gericht aussagen müssen. Dem 29-Jährigen drohen bis zu 15 Jahre Haft.



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