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Gefängnis-Kochen

Wie klingt ein Reiskorn?

Von Annette Schroeder, 06.08.08, 19:56h

Im Gefängnis von Fassano kochen die Insassen selbst - und welche Kreativität sie dabei entwickeln, schildert Davide Dutto in seinen Fotografien. Kostproben sind ab Freitag in der Kölner Ausstellung „Subkulinaria“ zu sehen, die Werke von elf Künstlern bündelt.

Gefängnis Kochen
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Im Gefängnis von Fassano kochen die Insassen selbst. (Bild: dpa-tmn)
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Im Gefängnis von Fassano kochen die Insassen selbst. (Bild: dpa-tmn)
KÖLN - Die Pasta rollt Bruno mit dem Besenstiel aus, Alvarado schneidet Gemüse mit dem Deckel einer Konservendose. Und Ciro backt Pizza in einem Ofen, den er aus zwei Pfannen gebastelt hat: Im Gefängnis von Fassano kochen die Insassen selbst - und welche Kreativität sie dabei entwickeln, schildert Davide Dutto in seinen Fotografien. Kostproben sind ab Freitag in der Kölner Ausstellung „Subkulinaria“ zu sehen, die Werke von elf Künstlern bündelt.

Zwar bilden Essen und Trinken ein altes Thema in der Kunst, reicht die Skala von den üppigen Stillleben des Barock über Schokohasen von Dieter Roth bis zu den Kochsessions eines Rirkrit Tiravanija. Doch die aktuelle Schau verfolgt einen ungewöhnlichen Ansatz: Das Institut Cultura 21, in dem sich 250 Wissenschaftler und Künstler aus verschiedenen Ländern zusammengeschlossen haben, will „erstmals die verborgenen Seiten unserer Ernährung sichtbar machen“, wie Soziologe Davide Brocchi gestern bei der Pressekonferenz erklärte.

Dazu gehören die Entfremdung von der Natur durch Massenproduktion, zählen Schlankheitswahn und Ekel, Überfluss und Hunger - gesehen durch die Brille von Malern, Foto- und Videokünstlern. Keinen passenderen Ort hätte sich Kuratorin Susanne Buckesfeld dafür wählen können als den „Bauch“ der Deutzer Brücke mit seinen unterirdischen Abflussrohren, die als gigantische Därme Informel-Gemälde von Charles de Moura rahmen sollen. Während der Brasilianer die Verdauung erforscht, huldigt Alex Mora mit Kunstrasen und Samenschrein der Kartoffel.

Insa Winkler lässt in ihrem Video zehn Eichelschweine in eine neue schöne Tierwelt rennen. Bei Cornel Wachter wiederum fällt nichts mehr unter den Tisch, den der Kölner aufgestellt hat. Dass Reis nicht nur beim Kochen Musik macht, sondern auch als Süßgras singen kann, zeigt wiederum Komponist Johannes Sistermanns, der auch entsprechende Düfte durch die Brücke ziehen lässt. Denn „Cultura 21“ will Sinn mit Sinnlichkeit verbinden - dem dient auch das Rahmenprogramm mit Theaterstück, Performance und Live-Kochen.

Vernissage am Freitag, 19.30 Uhr. Bis 17. August (jeweils Fr, Sa, So 14-20 Uhr). Eintritt frei.



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