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Kino

Mission: Hair Stylist

Erstellt 07.11.09, 10:22h

In „Leg dich nicht mit Zohan an“ verballhornt Adam Sandler den Nahostkonflikt. Er mimt einen Top-Antiterror-Experten, der einen Traum hat: als Friseur zu arbeiten.

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Zohan (Adam Sandler) in einer Szene des Films "Leg dich nicht mit Zohan an". (Bild: dpa)
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Zohan (Adam Sandler) in einer Szene des Films "Leg dich nicht mit Zohan an". (Bild: dpa)
HAMBRUG - Virtuos, versaut, charmant - einen sehr speziellen Ruf genießt Adam Sandler. Der 1966 in Brooklyn, New York, geborene Mega-Komiker, der auch als Autor, Produzent und Musiker erfolgreich ist, begann seine Karriere mit Streifen wie „Billy Madison - Ein Chaot zum Verlieben“ (1995), „Happy Gilmore - Ein Champ zum Verlieben“ (1996) und „Waterboy - Der Typ mit dem Wasserschaden“ (1998). Die Titel waren Programm - und die Fans ließen die Kinokassen schon mal mit 100 Millionen Dollar und mehr klingeln. In jüngerer Zeit wandte sich der Publikumsliebling aber auch ernsten Dingen zu - etwa dem Wert der Familie („Klick", 2006) und dem Trauma 9/11 („Die Liebe in mir“, 2007).

Tollkühn kombiniert Sandler beide Aspekte - kruden Slapstick und freche Sprüche sowie ein schwerwiegendes Thema - in seinem aktuellen Beitrag: Die von seiner Firma Happy Madison produzierte und von Dennis Dugan („Happy Gilmore“) inszenierte Komödie „Leg dich nicht mit Zohan an" verballhornt den Nahostkonflikt, wobei Israelis und Palästinenser gleichermaßen ihr Fett wegkriegen. Mit Schmackes werden hier nationale Heilige Kühe geschlachtet. Der Komiker gibt den Top-Antiterror-Experten Zohan, der beim Kampf gegen seinen Palästinenser-Erzfeind Phantom (John Turturro) seinen Tod vortäuscht, um heimlich nach New York zu gehen und dort seinen Traum zu verwirklichen - als Hair-Stylist zu arbeiten. Alte und neue Gegner lassen jedoch auch da nicht lange auf sich warten.

In die sachlich-politischen Aspekte des blutigen Konflikts steigt der Filmspaß selbstredend nicht ein. Dennoch gerät er kurz nach dem 60. Geburtstag des Staates Israel zum herrlich abgefahrenen volksnahen Statement für Frieden auf Erden. Dabei dürfen es sich vielleicht gerade jüdische Drehbuchschreiber wie die alten Kumpel Adam Sandler, Robert Smigel und Judd Apatow („Nie wieder Sex mit der Ex“) erlauben, ihre Glaubensgeschwister und deren Kontrahenten derart durch den Kakao zu ziehen. Cast-Mitglied Rob Schneider, der als New Yorker Taxifahrer Salim agiert, formulierte es so: „Comedy bringt die Menschen zusammen. Der Zohan ist lächerlich - so lächerlich, dass, wie ich hoffe, sich jeder einen Schritt zurücknimmt und gemeinsam mit den anderen lacht.“

Bereits zu Beginn der mit flockiger Popmusik unterlegten Geschichte ist Zohan in seinem Element: Gut gebaut und mit üppiger Lockenmähne baggert er am Strand von Tel Aviv Mädels an und brät nackt Fische. Direkt vom Grill holt ein Armee-Hubschrauber den Witz-James-Bond zu einem gefährlichen Einsatz. Kampfszenen an der libanesischen Grenze und später in Brooklyn geraten dank Computereinsatz und tollen Stunts zu puren Martial-Arts-Parodien: Gern fliegt Sandler durch die Luft, metzelt Gegner im Supertempo nieder oder knotet sie zu Paketen zusammen. Am meisten beeindruckt sein Zohan seine Umgebung allerdings mit ungehemmter sexueller Energie - und gibt Sandler damit reichlich Gelegenheit zu seinen typischen „dirty jokes“. So verlassen etwa die durchweg älteren Kundinnen nach einer in jeder Hinsicht sexy Performance ihres Friseurs den Salon äußerst befriedigt.

Bunt, schräg und etwas ausufernd gestaltet sich auch der Rest. Zohan verliert sogar vorübergehend seine Potenz - weil er sich erstmals verliebt hat, in seine bildhübsche palästinensische Chefin Dalia (Emmanuelle Chriqui). Natürlich lernen hier auch die anderen israelischen und arabischen Aktivisten einander zu mögen, nicht zuletzt, weil man böse gemeinsame Feinde hat: die Immobilienhaie vom East River. Gut gelaunt treiben auch Gaststars den abstrusen Friedensprozess voran - wie Sängerin Mariah Carey als sie selbst. Am Ende verwirklichen alle Beteiligten ihre persönlichen Lebenswünsche, die so ganz anders aussehen als Mord und Totschlag. Sandler hat sich bis dahin etliche „running gags“ erlaubt, denen zufolge insbesondere die Übernahme eines Elektrogeschäfts die Realisierung der eigenen Träume verhindere. Im wahren Leben ist er Sohn eines Elektrikers.



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