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Live-Konzert

Lektion in Sachen Hüftschwung

Von Kerstin Völling, 11.08.08, 19:17h

Gentleman begeisterte 7300 Fans beim Konzert auf dem Roncalliplatz. Die Affinität des Hörers zu Reggae allerdings muss schon ausgeprägt sein, sonst kommt nach mindestens anderthalb Stunden so etwas wie Langeweile auf. Davor schützen auch nett eingebettete Refrains und zeitweilige HipHop-Anflüge nicht.

Köln - „Keep the Fire burning!“ fordert Tilmann Otto. Ganz so, als wolle er den Moment festhalten. In seinem Rücken: Der angeleuchtete Dom. Vor seinen Augen: Flackernde Feuerzeuge, die Fans in der Dunkelheit schwenken. Zum Abschluss der „Music Unlimited Cologne“ sind noch einmal 7300 Gäste zum Roncalliplatz geströmt. Rund weitere 1000, so schätzt der Veranstalter, versuchen außerhalb der Absperrungen einen Blick auf die Leinwände zu erhaschen.

Das Publikum bildet den Chor

Mitten in der City auf einer Bühne zu stehen und vor einem so großen Publikum zwei Stunden lang zu spielen, davon träumt wohl jeder musikbegeisterte Junge. Vor allem, wenn er in Kölle aufgewachsen ist. Tilmann erlebt gerade diesen Traum. Jede Sekunde kostet er aus. „Celebration“ singt das Publikum. Es bildet den Chor, von dem der Sänger geschmeidig die erste Stimme übernimmt.

Jetzt wird gefeiert. Auf jamaikanisch. Das bedeutet Reggae, Reggae und nochmals Reggae. Entspanntes Wippen auf „zwei“ und „vier“ und nicht - wie sonst typisch deutsch - auf „eins“ und „drei“. Einige haben da Schwierigkeiten. Doch Tilmann macht es vor. Er kreist die Hüften, schwenkt immer wieder den linken Arm. Ein „Gentleman“, wie er sich im Showgeschäft nennt, ist er an diesem Abend fürwahr. Er bringt seine „Far East Band“ zur Geltung, kürt weniger bekannte Künstler wie Martin Jondo, der mit der Akustikgitarre auch das Vorprogramm bestreitet, zu seinen „Special Guests“.

Die Besucher danken ihm für den Nachschlag zur „Summerjam“. In den schleppenden Takten findet der gebürtige Osnabrücker allerdings genug Raum für Lektionen: Wenn die Seele nicht mehr will, dann soll man durchhalten („Light within“).

Gefährlich kann es überall werden („Dangerous Zone“), was einen dann allerdings doch nicht davon abhalten soll, andere Länder und Sitten kennen zu lernen („Different Places“). Das alles klingt ebenso politisch korrekt wie radiotauglich und karibisch-urwüchsig.

Die Affinität des Hörers zu Reggae allerdings muss schon ausgeprägt sein, sonst kommt nach mindestens anderthalb Stunden so etwas wie Langeweile auf. Davor schützen auch nett eingebettete Refrains und zeitweilige HipHop-Anflüge nicht. Und ein bisschen gewollt wirkt es , wenn Gentleman den bereits begonnenen Song abbricht, um noch mehr Stimmung für die DVD einzufordern, die gerade gedreht wird. Die feiernden Freudenchöre müssten dafür eigentlich ausreichen.

Scheint fast so, als wolle da einer etwas ganz besonders gut machen.



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