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Interview

„Saakaschwili ein Kriegsverbrecher“

Erstellt 15.08.08, 21:06h, aktualisiert 18.08.08, 12:51h

Zur Krise im Kaukasus hat unser Brüsseler Korrespondent Gerd Niewerth den russischen Botschafter bei der Nato, Dimitri Rogosin, interviewt. Der Botschafter wirft den USA Heuchelei vor.

Saakaschwili
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Georgiens Präsident Saakaschwili plant ein neues Gesetz zum Schutz seines Landes. (Bild: dpa)
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Georgiens Präsident Saakaschwili plant ein neues Gesetz zum Schutz seines Landes. (Bild: dpa)
Moskaus Vorgehen im Kaukasus hat die Welt schockiert, droht ein neuer Kalter Krieg?

Diese Frage befremdet mich, deshalb die Gegenfrage: Was tun die Amerikaner zusammen mit den Deutschen in Afghanistan und mit anderen Alliierten im Irak? Die Geschichte kennt viele Beispiele, dass zivilisierte Staaten in andere Länder eindringen, um eigene Bürger zu schützen oder Terrorismus zu bekämpfen. Aber es gibt auch moralisch umstrittene Fälle, etwa die Nato-Aggression 1999 in Jugoslawien. Das war eine völlig unverhältnismäßige Reaktion auf einem fremden Territorium.

Russland wird vorgeworfen, genau dasselbe in Georgien getan zu haben.

Moment mal, womit haben wir es denn im Kaukasus zu tun? Doch in erster Linie mit einem Massaker, bei dem fast 1200 Zivilisten in der südossetischen Hauptstadt Zchinwali ums Leben kamen - durch georgische Artillerie, Raketen und Luftschläge.

Was werfen Sie den USA konkret vor?

Heuchelei. Als wir eine Sondersitzung des Nato-Russland-Rates verlangten, haben die USA abgeblockt. Das Pentagon macht kein Geheimnis daraus, dass 127 US-Militärberater in Georgien stationiert sind und in georgischen Uniformen Dienst tun. Unmittelbar vor Saakaschwilis Aggression wurde sogar eine große Übung abgehalten.

Warum titulieren sie Michail Saakaschwili als Nazi?

Nun, Nazismus ist für mich eine extreme Version von ethnischem Nationalismus, der das Lebensrecht eines anderen Volkes in Frage stellt. Deshalb spreche ich im Fall Saakaschwili von Nazismus und Völkermord.

Welche gesicherten Erkenntnisse haben Sie mittlerweile über die Ereignisse?

Über hundert Ermittler arbeiten inzwischen in der Konfliktzone, und es gibt georgische Gefangene, die aussagen. So entsteht ein düsteres Bild: Georgische Kommandeure gingen unmenschlich vor, es gab Massenvergewaltigungen, sie ließen Menschen bevorzugt in Holzhäuser und auch in Kirchen sperren, um diese dann abzubrennen. 45 Zeugen können ferner belegen, dass georgische Panzer auf offener Straße Jagd auf Zivilisten machten.

War die Unabhängigkeit des Kosovo für Russland ein Präzedenzfall?

Ja, denn Russland sieht keinen Unterschied mehr zwischen Kosovo und Ossetien bzw. Abchasien. Wenn der eine das Recht auf Unabhängigkeit hat, gilt dasselbe für Osseten und Abchasen.

Was hat Moskau gegen die Nato-Mitgliedschaft Georgiens?

Die Georgier versuchen ihre Minderheitenprobleme ganz offenkundig mit militärischen Mitteln zu lösen. Damit nicht genug: Sie reißen auch noch andere Staaten mit rein, nicht nur Russland, sondern auch die Nato. Saakaschwili ist ein Kriegsverbrecher, das ist eine Kränkung und Beleidigung für die Nato. Genauso gut hätte die Nato Saddam Hussein oder Slobodan Milosevic aufnehmen können.

Von Georgien mal abgesehen - warum fühlt sich Russland bedroht, wenn die Nato näher an seine Grenzen rückt?

Die Nato ist doch keine Vereinigung von Briefmarkenliebhabern und auch kein Schachclub, sondern eine Militärorganisation. Auch wenn immer so getan wird, als seien die Türen weit offen: Tatsache, ist doch, dass das Haus so gut wie voll ist und es am Eingang eine Gesichtskontrolle gibt. Selbst wenn Russland der Nato beitreten möchte: Die Amerikaner haben uns sehr direkt gesagt, dass sie die Nato als ihre Veranstaltung ansehen und keinerlei Konkurrenz im eigenen Hause wünschen. Wir sind sehr wohl zur Zusammenarbeit bereit, aber wir wollen nicht, dass die Nato mit Infrastruktur immer näher rückt. Würden Sie es gerne haben, wenn ein Panzer in Ihrer Garageneinfahrt steht?

Werden Sie die Forderungen des Westens - territoriale Integrität Georgiens und Truppenabzug - erfüllen?

Wir haben keine Absicht, die georgische Führung zu wechseln oder Land besetzt zu halten. Russland ist ein riesiges Land, das kein zusätzliches Territorium benötigt. Die territoriale Integrität Georgiens ist übrigens nicht eine Angelegenheit Russlands oder des Westens, das müssen Georgier und Osseten selber regeln.



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